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Deutscher Antennenhersteller Kathrein verkauft Kerngeschäft an Ericsscon

Bild: kathrein.com / Kathrein

Der bayerische Kommunikationstechnik-Konzern Kathrein verkauft sein Kerngeschäft mit Mobilfunkantennen und Filtern an den schwedischen Netzwerkausrüster Ericsson. Dies gab beide Unternehmen am heutigen Montag bekannt. Bereits in der Vergangenheit hatte das Familienunternehmen aus Rosenheim Ericsson und andere Mobilfunkausrüster wie Nokia oder Huawei mit Antennentechnik beliefert. Über den Kaufpreis vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Alle 4.000 betroffenen Kathrein-Mitarbeiter, davon 1.000 am Firmensitz, will Ericsson übernehmen.

Autoantennen-Sparte ging zuvor an Continental

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Kathrein SE
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Die Kathrein SE wurde 1919 in Rosenheim gegründet und ist der älteste und größte Antennenhersteller der Welt. Kathrein produziert u.a. die Basisstationsantennen von Mobilfunktürmen für GSM und UMTS sowie Kombidachantennen für diverse Autohersteller. Hinzu kommen Funktechnik für Taxi und Polizei sowie Satelliten-Antennen und –receiver.
Seit dem Tod von Anton Kathrein junior im Jahr 2012, der das Unternehmen 1972 von seinem gleichnamigen Vater und Firmengründer übernommen hatte, befindet sich das Unternehmen in der Sanierung. Der vor genau 100 Jahren gegründete Antennenspezialist hatte zuvor schon seine Autoantennen-Sparte an den Autozulieferer Continental abgegeben, der Elektronik-Fertiger Katek ging an die Beteiligungsfirma Primepulse. Trotzdem kam laut Branchenexperten der Verkauf an den ebenfalls seit langem Verluste schreibenden Konzern Ericsson überraschend. Da jedoch der Kauf der Schweden durch den Technologiekonzern Cisco Systems nicht zustande kam, versucht Ericsscon offenbar nun seinerseits durch den Zukauf, in den Besitz von Antennentechnik zu bekommen, die Konkurrenten wie Huawei bereits besitzen: „Durch die Akquisition des Antennen- und Filtergeschäfts von Kathrein werden wir unsere Fähigkeiten und Kompetenzen im Bereich Advanced Active und Passive Antenna weiter ausbauen“, sagte Fredrik Jejdling, Executive Vice President und Leiter des Geschäftsbereichs Networks von Ericsson.

Die Sparte mit mehr als 20 Standorten weltweit erwirtschaftet den größten Teil des Umsatzes das bayerischen Traditionsunternehmens und besitzt in der Branche einen hervorragenden Ruf. Ericsson will mit der Übernahme auch seine Kompetenzen vor dem Start der schnellen 5G-Mobilfunknetze aufpolieren: „Mit dem zusätzlichen Fokus auf das Antennen- und Filtergeschäft, das von Kathrein-Fachleuten geleitet wird, werden wir unser Angebot erweitern, um den für die Einführung von 5G erforderlichen Raum an Mobilfunknetzstandorten weiter zu optimieren“, so Jejdling.

Verbleibende Sparten sollen eigenständig überleben können

Was mit dem verbleibenden Geschäft (Rundfunktechnik und Satellitenempfang) sowie den übrigen 350 Mitarbeitern von Kathrein geschehen soll, ist bislang noch offen. Die Sparten sollen so aufgestellt werden, dass sie eigenständig überlebensfähig sind. Die IG-Metall Bayern äußerste sich zunächst zurückhaltend: „Wir prüfen die Auswirkungen auf die Beschäftigten“, teilte ein Vertreter mit. Wie eine Sprecherin des Unternehmens betonte, sei die Neuordnung der Gruppe noch nicht abgeschlossen. Sobald der Verkauf an Ericsson vollzogen ist, wird der Chef-Sanierer Hans-Joachim Ziems allerdings seinen Posten räumen. Die Zustimmung der Kartellbehörden vorausgesetzt, soll die Übernahme im Sommer abgeschlossen sein.