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Daimler will 4.000 Stellen am Stammsitz Untertürkheim streichen

Der Autobauer Daimler will im Zuge seines Sparkurses am Konzernstammsitz in Stuttgart-Untertürkheim bis zum Jahr 2025 rund 4.000 Stellen abbauen. Ein Papier mit diesem Inhalt wurde von den örtlichen Arbeitsnehmervertretern unter den Beschäftigten verteilt, teilte die Deutsche Presseagentur (dpa) am Mittwoch mit. Zuvor hatten bereits die „Stuttgarter Nachrichten“ sowie die „Stuttgarter Zeitung“ über den geplanten Einschnitt berichtet. Eine Sprecherin des Konzerns wollte die Zahlen auf Anfrage nicht kommentieren. Sie sprach generell davon, dass die Kosten „optimiert“ werden müssten, um die Rentabilität des Unternehmens zu sichern.

Zwei Milliarden Euro Verlust im zweiten Quartal

INFO-BOX:
Daimler AG
Die Anfänge der Daimler AG reichen bis in das Gründungsjahr 1883 der Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik in Mannheim zurück, die 1926 mit der Daimler-Motoren-Gesellschaft zur Daimler Benz AG fusionierten. Nach dem Zusammenschluss mit Chrysler entstand 1998 die DaimlerChrysler AG. Die Umbenennung in Daimler AG erfolgte 2007 nach dem mehrheitlichen Verkauf von Chrysler. Zum 1. November 2019 spaltete Daimler seine Tätigkeiten in die Tochter-firmen Mercedes-Benz AG, Daimler Truck AG und Daimler Mobility AG auf.
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In dem Schreiben berichten die Arbeitsnehmervertreter nach Angaben des SWR über die Verhandlungen mit der Standortleitung und die geplanten Einsparmaßnahmen. Untertürkheim sei als Standort viel zu teuer, heißt es in dem Papier. Außerdem würden die Kompetenzen des Konzerns im konventionellen Antrieb in den nächsten Jahren zunehmend an Bedeutung verlieren. Daher müsse Daimler gegensteuern. Die Corona-Krise sorgt zudem für tiefrote Zahlen bei dem Autobauer und zwingt diesen zur nochmaligen Verschärfung seines Sparkurses. Im zweiten Quartal machte Daimler rund zwei Milliarden Euro Verlust. Weil weltweit Fabriken stillstanden, Autohäuser zeitweise schließen mussten und auch viele andere Firmen nicht arbeiten und somit auch keine LKWs kaufen konnten, brachen die Absatzzahlen ein. Vorstandschef Ola Källenius hatte bereits zuletzt angekündigt, dass der im Vorjahr vorlegte Sparplan angesichts der anhaltenden Pandemie nicht ausreiche.

Insgesamt arbeiten bei Daimler im Werk Untertürkheim rund 19.000 Menschen. Weil bei dem Unternehmen noch bis zum 2029 eine Beschäftigungsgarantie gilt, würden Stellenstreichungen nur freiwillig, beispielsweise über entsprechende Abfindungen, funktionieren. Im Gegenzug könnte in dem Werk, das bisher stark von Verbrennermotoren abhängt, eine Batteriezellenproduktion für E-Autos entstehen. Dieser Plan geht über die bisher angedachte Batteriefabrik ohne eigene Zellenproduktion hinaus. Bisher kauft Daimler für Milliardensummen Batteriezellen aus Asien zu. Laut einem internen Schreiben werde im Bereich der E-Mobilität jedoch „eine stärkere Verzahnung zwischen Forschung und Entwicklung und Produktion angestrebt“. Der Standort Untertürkheim solle dabei konsequent auf „Electric First“ umgestellt werden. Neben neuen Produkten und Produktionstechniken will Daimler dazu in Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte sowie die Qualifikation der Mitarbeiter investieren.

Daimler-Betriebsrat: Entlassungen „der falsche Weg“

Der Untertürkheimer Betriebsrat reagierte verärgert auf die Planungen der Standortleitung. Zwar halte man die geplanten Zukunftsinvestitionen für richtig und wichtig. Dafür aber „unsere bestehenden Vereinbarungen anzugreifen, ist der falsche Weg“, heißt es in einem internen Schreiben. Daimler selbst hat bisher keine konkreten Entlassungszahlen im Zuge des Sparplans genannt. Kolportiert worden waren zunächst Größenordnungen von 10.000 bis 15.000 der weltweit etwa 300.000 Mitarbeiter. Analysten gehen im Zuge der Corona-Krise inzwischen aber von 20.000 bis 30.000 Beschäftigten aus, die bei Daimler ihren Job verlieren werden.

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