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Digitalradio: Norwegen beginnt als erstes EU-Land mit der UKW-Abschaltung

Radio gibt es in Norwegen bald nur noch digital. Mit dem heutigen Tag hat in dem skandinavischen Land der Ausstiegsprozess offiziell begonnen. Bis Ende des Jahres sollen nur noch wenige Sender über UKW empfangbar sein. Den Elektronikhandel freut es, aber die Bevölkerung bleibt skeptisch.

Autoradios nur zu einem Drittel für DAB+ gerüstet

INFO-BOX:
DAB+
DAB steht für "Digital Audio Broadcasting", die digitale Verbreitung von Audiosignalen über Antenne. Das "+" steht für die moderne Übertragung in bester Tonqualität, die zudem Platz lässt für programmbegleitende Zusatzinformationen, wie Verkehrsdaten, Wetterkarten, Titel und Interpret, Albumcover oder die aktuellen Nachrichtenschlagzeilen.
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Seit heute Mittag herrscht in der Region Nordland auf den UKW-Frequenzen weitestgehend Funkstille. Wer sein altes Radio einschaltet, empfängt lediglich statisches Rauschen. Die altbekannten Sender funken nun nur noch über den Digitalstandard DAB+ und folgen damit den Vorgaben der Regierung, die wiederum als erstes europäisches Land eine EU-Vorgabe von 2005 umsetzt. In den kommenden Monaten sollen schrittweise andere Regionen folgen, bis ab Dezember in allen Landesteilen nahezu ausschließlich digital gesendet wird. Ausnahmen gibt es nur für kleine Regionalstationen, die noch bis 2022 mit der Umstellung warten dürfen.

DAB+ bietet zwar eine effizientere Netznutzung und verspricht den besseren Klang, unter den Radiohörern gibt es dennoch große Zweifel an der Sinnhaftigkeit der UKW-Abschaltung. Umfragen zufolge halten gut zwei Drittel der Norweger diese für verfrüht, weil man Empfangsprobleme und hohe Kosten fürchtet. Berufskraftfahrer berichten beispielsweise, immer wieder auf Funklöcher zu stoßen. Eine Vorbedingung für die Abschaltung des UKW-Funks war allerdings die Empfangbarkeit von DAB+ in 99,95 Prozent der norwegischen Haushalte.

Dass diese die neue Technik nutzen werden, ist keineswegs sicher. Noch immer haben viele Norweger ihre alten Radios nicht gegen Digitalempfänger ausgetauscht. Besonders gering ist die Verbreitung in Fahrzeugen, von denen nur ein Drittel fit für den neuen Standard ist. Die Umrüstung kann kostspielig sein. Zwar gibt es brauchbare Adapter bereits für etwas mehr als 100 Euro, soll ein werksseitig eingebautes Multimediasystem ersetzt werden, wird die 1.000-Euro-Marke aber schnell überschritten. Im Handel hofft man deshalb auf einen kleinen Geldsegen.

Norwegen einsamer Vorreiter in Europa

Mit der Umstellung nimmt Norwegen eine Vorreiterrolle ein, obwohl UKW nach den Vorstellungen der Europäischen Union längst in allen EU-Ländern abgeschafft sein müsste. Die Entwicklung geht allerdings zögerlich voran – auch in Deutschland. Hierzulande sollte digitales Radio ursprünglich bis 2015 den alten Standard ersetzen, mittlerweile gibt es keinen festen Termin mehr. Auch Norwegens Nachbarn lassen sich Zeit: Nachdem der Wechsel in Schweden bis 2022 vorgesehen war, hat man diesen 2015 auf Eis gelegt. Ein Gutachten, das vor möglichen negativen Seiten der Digitalisierung warnt, veranlasste die Regierung zum Rückzieher.

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