home Panorama Gauck entscheidet: Tugce erhält posthum kein Bundesverdienstkreuz

Gauck entscheidet: Tugce erhält posthum kein Bundesverdienstkreuz

Der Fall Tugce hat Deutschland bewegt. Die junge Lehramtsstudentin, die zwei dreizehnjährigen Mädchen in einem Schnellrestaurant Beistand gegen eine Belästigung durch die Gruppe um Sanel M. leistete, bezahlte ihre Zivilcourage mit dem Leben. Ein Faustschlag von Sanel M. außerhalb des Restaurants führte zu einem Sturz von Tugce. Ihren Verletzungen erlag die junge Frau wenig später.

Im Rahmen einer öffentlichen Petition wurde Tugce für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen. Insgesamt unterzeichneten mehr als 300.000 Menschen diese Petition, die auch auf Seiten der Bundesregierung großen Anklang fand. Bundespräsident Gauck kündigte damals an, den Fall sorgsam zu prüfen.

Täter zu drei Jahren Haft verurteilt

INFO-BOX
Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, umgangssprachlich auch Bundesverdienstkreuz genannt, ist die einzige allgemeine Verdienstauszeichnung der Bundesrepublik Deutschland. Er wird für besondere Leistungen auf politischem, wirtschaftlichem, kulturellem, geistigem oder ehrenamtlichem Gebiet verliehen.
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Obgleich Tugces Tod Bundespräsidenten Gauck sehr stark persönlich berührt hat, ergab jetzt eine ausführlich durchgeführte Prüfung des Falls, dass die Umstände keine posthume Verleihung des Bundesverdienstkreuzes zulassen. Die für diese Ehrung erforderlichen Rahmenbedingungen seien im Fall Tugce nicht erfüllt. Generell sind die Voraussetzungen für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes sehr engmaschig angelegt.

Der Fall Tugce ereignete sich im November des Jahres 2014 in Offenbach. Gestern sprach das Landgericht nunmehr das Urteil gegen den Täter. Sanel M. wurde zu drei Jahren im Jugendgefängnis verurteilt. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig, da das Gericht das Rechtsmittel der Revision zugelassen hat. Der Verteidiger von Sanel M. hat bereits angekündigt, dass dieses Recht in Anspruch genommen werden wird. Eine posthum verliehene Würdigung in Form des Bundesverdienstkreuzes gibt es in Deutschland nur in extrem seltenen Ausnahmefällen. Jürgen Schumann, Kapitän der „Landshut“, die 1977 von Terroristen entführt wurde, erfuhr diese Würdigung. Er bezahlte seinen Einsatz als Flugkapitän damals mit dem Leben.

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