home Panorama Medizin-Nobelpreis 2017 geht an drei US-Wissenschaftler für die Erforschung der „inneren Uhr“

Medizin-Nobelpreis 2017 geht an drei US-Wissenschaftler für die Erforschung der „inneren Uhr“

Der diesjährige Nobelpreis für Medizin geht an die US-Forscher Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young für ihre Arbeiten zu den molekularen Mechanismen des zirkadianen Rhythmus, der biologischen Uhr von Lebewesen. Dies gab die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften heute in Stockholm bekannt. Der Preis wird am 10. Dezember in Stockholm verliehen, die Preisträger teilen sich ein Preisgeld in Höhe von neun Millionen schwedischen Kronen (rund 940.000 Euro).

Ernste Erkrankungen durch fehlerhaften Schlaf-Wach-Rhythmus

Die Arbeiten der US-Wissenschaftler zeigen, dass bestimmte Gene dafür verantwortlich sind, dass die innere Uhr von Zellen richtig gestellt ist und dadurch Pflanzen, Tiere und Menschen ihren biologischen Rhythmus auf den Tag-und-Nacht-Wechsel der Erde einstellen können. Bereits 1984 stießen die Forscher bei Experimenten mit Fruchtfliegen auf das Gen „period“. Dieses sorgt dafür, dass während der Nacht in der Zelle zunehmend ein Protein „PER“ gebildet wird, das der Organismus über den Tag hinweg wieder abbaut. In den darauffolgenden Jahren entdeckten die Wissenschaftler weitere Gene („timeless“ und „doubletime“), die zusammen mit „period“ den 24-Stunden-Rhythmus des Organismus steuern.

Beim Menschen steuert dieser Mechanismus unter anderem den Schlaf-Wach-Rhythmus. Gerät die innere Uhr beispielsweise durch einen Langstreckenflug aus den Fugen, spüren wir diesen Rhythmus in Form eines Jetlags. Auch bei der Regulierung von Hormonhaushalt, Blutdruck, Körpertemperatur und Hungerfühl (u.a. durch die Ausschüttung von Insulin) ist er beteiligt. Ist die Synchronität zwischen dem Lebensstil und der inneren Uhr längerfristig gestört, kann es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen von Depressionen und kognitiven Störungen bis hin zu Stoffwechselerkrankungen und Krebs kommen.

Nobelpreise werden seit 1901 verliehen

Im vergangenen Jahr hatte der japanische Zellforscher Yoshinori Ohsumi den Medizin-Nobelpreis für seine Experimente zur Autophagie erhalten. Im Laufe dieser Woche werden überdies noch die Nobelpreise für Physik, Chemie und Literatur sowie der Friedensnobelpreis vergeben. Die Preisverleihung geht auf den schwedischen Forscher und Erfinder des Dynamits Alfred Nobel zurück, der sein Vermögen einer Stiftung vermachte, aus deren Zinsen alljährliche Preise für diejenigen finanziert werden sollten, die „im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“.

Die Nobelpreise für Medizin, Physik, Chemie, Literatur sowie der Friedensnobelpreis werden seit 1901 verliehen, hinzu kommt seit 1969 der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften, der 1968 von der Schwedischen Reichsbank gestiftet wurde.

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