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Ehemaliger französischer Präsident Jaques Chirac im Alter von 86 Jahren gestorben

Bild: wikimedia.org / Limegirl / Lizenz: CC BY-SA 3.0

Der frühere französische Präsident Jaques Chirac ist am Donnerstag im Alter von 86 Jahren gestorben. Dies teilte sein Schwiegersohn Frédéric Salat-Baroux gegenüber der Nachrichtenagentur AFP mit. Chirac sei am Morgen friedlich im Kreise seiner Angehörigen eingeschlafen. Die französische Nationalversammlung gedachte des ehemaligen Staatsoberhaupts mit einer Schweigeminute.

Chirac strikter Gegner des Irak-Kriegs

INFO-BOX:
Staatsoberhäupter
Frankreichs seit 1899
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1899-1906: Émile Loubet
1906-1913: A. Fallières
1913-1920: R. Poincaré
1920: Paul Deschanel
1920-1924: A. Millerand
1924-1931: G. Doumergue
1931-1932: Paul Doumer
1932-1940: Albert Lebrun
1940-1944: Philippe Pétain
1944-1946: C. de Gaulle
1946: Félix Gouin
1946: Georges Bidault
1946-1947: Léon Blum
1947-1954: V. Auriol
1954-1959: René Coty
1959-1969: C. de Gaulle
1969-1974: G. Pompidou
1974-1981: V. G. d'Estaing
1981-1995: F. Mitterrand
1995-2007: Jaques Chirac
2007-2012: Nicolas Sarkozy
2012-2017: F. Hollande
2017-: Emmanuel Macron
2007 musste Chirac nach zwölf Jahren Amtszeit als französischer Präsident den Élysée-Palast verlassen und dem von ihm nicht sonderlich geschätzten Nicolas Sarkozy Platz machen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Gaullist Chirac bereits 40 Jahre lang die Geschicke Frankreichs mitbestimmt. Ob als langjähriger Bürgermeister von Paris, zweimaliger Premierminister unter dem liberalen Valéry Giscard d’Estaing und dessen sozialistischem Nachfolger Francois Mitterrand oder am Ende als Staatsoberhaupt der V. Republik. Seine politische Karriere prägten große Siege, aber auch schwere Niederlagen. Das Ende seiner Präsidentschaft war ein unrühmliches. Denn wie Helmut Kohl in Deutschland Ende der 1990er-Jahre stand Chirac im Nachbarland für Reformstau und Stillstand.

Im Gegensatz zum amtierenden Staatschef Emmanuel Macron vermied es Chirac, sich über Gebühr mit den mächtigen Gewerkschaften anzulegen. So rührte er beispielsweise die 35-Stunden-Woche nicht an. Der Erhalt des sozialen Friedens in seinem Land war ihm wichtiger. Galt Chirac auf der einen Seite als populär und leutselig, war er auf der anderen Seite bei politischen Freunden und Gegnern als knallharter Machtpolitiker gefürchtet. Besonders in der Außenpolitik sah sich der Mann mit dem Spitznamen „Bulldozer“ in der Tradition von Republikgründer Charles de Gaulle und vertrat den Kurs eines außenpolitisch unabhängigen Frankreichs, insbesondere auch im Verhältnis zu den USA.

Sein strikter Kurs an der Seite von Bundeskanzler Gerhard Schröder gegen den damaligen US-Präsidenten George W. Bush während des Irak-Kriegs brachte Chirac viel Anerkennung. Das Nein der Franzosen zu einer EU-Verfassung, für die er sich vehement eingesetzt hatte, war hingegen seine schwärzeste Stunde im Amt des Präsidenten. Unter seiner Führung nahm Frankreich Mitte der 1990er-Jahre auch die Tests von Nuklearwaffen wieder auf.

Parteifreunde zum Schein in der Verwaltung beschäftigt

Nach dem Ende seiner Präsidentschaft holten Chirac alte Skandale ein. Im Alter von 79 Jahren verurteilte ihn ein Gericht in Paris zu zwei Jahren Haft auf Bewährung wegen Untreue und Unterschlagung öffentlicher Gelder. In seiner Zeit als Pariser Bürgermeister hatte Chirac ein System von Scheinarbeitsstellen aufgebaut und so knapp 30 Mitarbeiter aus der Stadtkasse bezahlt, obwohl diese gar nicht für die Verwaltung, sondern teilweise für seine Partei arbeiteten. Chirac war damit der erste strafrechtlich verurteile Ex-Präsident Frankreichs seit dem Zweiten Weltkrieg. In den letzten Jahren trat Chirac kaum noch in der Öffentlichkeit auf, da er unter schweren Gedächtnisproblemen litt. Zeitweise saß er im Rollstuhl. Noch während seiner Amtszeit hatte er 2005 einen Schlaganfall erlitten.