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Commerzbank-Umbau: Kunden müssen mit höheren Gebühren rechnen

Bild: wikimedia.org / Arminia / Lizenz: CC BY-SA 3.0

Kunden der Commerzbank müssen sich offenbar auf steigende Gebühren einstellen. Das Geldhaus werde „Preisänderungen vornehmen“ und manche Dienste anders bepreisen, sagte Commerzbank-Chef Martin Zielke heute in Frankfurt. Mit Blick auf das aktuelle Marktumfeld und die anhaltenden Negativzinsen sei dieser Schritt unausweichlich. Am kostenlosen Girokonto für Privatkunden wolle sein Institut aber weiter festhalten. „Das ist nicht der Einstieg in den Abschied vom kostenlosen Girokonto“, betonte Zielke.

Angleichung der Geschäftsmodelle durch Digitalisierung

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Am 26. Februar 1870 gründeten vorwiegend hanseatische Kaufleute, Merchant Banker und Privatbankiers die Commerz- und Disconto-Bank in Hamburg. In Deutschland war die Commerzbank zunächst in Hamburg tätig, bis 1897 Filialen in Berlin und auch in Frankfurt am Main errichtet wurden. Nach der 1905 erfolgten Fusion mit der Berliner Bank verlagerte sich der geschäftliche Schwerpunkt zunehmend nach Berlin. Seit 1990 hat die Commerzbank ihren Sitz in Frankfurt am Main und betreut mehr als 13 Millionen Kunden im In- sowie über fünf Millionen Kunden im mittel- und osteuropäischen Ausland.
Bereits am gestrigen Donnerstag hatte der Aufsichtsrat des zweitgrößten deutschen Geldhauses dem neuen Strategieprogramm „Commerzbank 5.0“ zugestimmt. Im Zuge dessen will die Bank netto 2.300 Stellen streichen und etwa 1.000 Filialen schließen. Auf der Agenda stehen zudem die vollständige Übernahme der Tochter Comdirect sowie der Verkauf der Mehrheitsbeteiligung an der polnischen mBank. Bei der Verschmelzung mit der Direktbank-Tochter gelte es, die Kräfte der beiden Institute zu bündeln. So könne man bei „Vertrieb und im Marketing auf eine Marke setzen“, so Zielke. Die Commerzbank will die Comdirect mit Sitz in Quickborn (Schleswig-Holstein) komplett übernehmen, da sich durch die zunehmende Digitalisierung die Geschäftsmodelle angleichen. Bisher hielt die Commerzbank einen Anteil von rund 82 Prozent an Comdirect. Den übrigen Aktionären unterbreitete man nun ein Angebot in Höhe von 11,44 Euro je Anteilsschein. Dieser Preis liegt etwa 25 Prozent über dem letzten Comdirect-Schlusskurs vor Bekanntgabe der Pläne.

Bis 2023 will die Commerzbank durch das jetzt beschlossene Strategieprogramm ihre Kosten um 600 Millionen Euro verringern. Neben dem beschlossenen Stellenabbau und möglicherweise steigenden Gebühren, will das Geldhaus auch rund eine Million inaktive Kunden loswerden, die teils noch aus der Zeit vor der Übernahme der Dresdner Bank stammen. Diese kosteten die Commerzbank Geld, sagte Zielke. Hinzugewinnen will die Bank neue, aktive Kunden in gleicher Höhe – und damit deutlich weniger, als man ursprünglich geplant hatte. Trotz staatlicher Unterstützung in Zeiten der globalen Finanzkrise sind die finanziellen Reserven nach Jahren der Nullzinspolitik durch die Europäische Zentralbank (EZB) bei der Commerzbank aufgebraucht. In der aktuellen Lage seien die Herausforderungen für die Banken groß. Auf ein besseres Marktumfeld könne man aber auf absehbare Zeit nicht hoffen, so der Bankchef. Auch eine wegen der eigenen Schwäche angedachte Fusion mit der Deutschen Bank war zuletzt gescheitert.

Rendite von über fünf Prozent bis 2023 möglich

Trotz allem nehme die Commerzbank nun Geld in die Hand und in die Zukunft investieren. „So stellen wir bewusst den langfristigen Erfolg über kurzfristige Renditeziele“, sagte Zielke. Die entsprechende Kennzahl für die Rendite auf das Eigenkapital werde in den kommenden drei Jahren voraussichtlich bei zwei bis vier Prozent liegen, so der scheidende Finanzvorstand Stephan Engels. Er sei überzeugt, dass bis 2023 eine Rendite von vier Prozent erreichbar sei, im „günstigsten Fall wäre eine Rendite von über fünf Prozent möglich“. An der Börse sorgte die Strategie der Commerzbank für gemischte Gefühle. Nachdem die im MDax gelistete Aktie des Geldhauses zunächst in die Knie ging, konnte sie sich im Verlauf des Tages wieder erholen. Trotzdem hat sich der Commerzbank-Aktienkurs nach Jahren des Niedergangs deutlich schlechter entwickelt als der Gesamtindex.