home Politik Johnson-Nachfolge: Ex-Finanzminister Rishi Sunak in ersten Wahlrunden vorne

Johnson-Nachfolge: Ex-Finanzminister Rishi Sunak in ersten Wahlrunden vorne

Im Rennen um die Nachfolge von Boris Johnson als Parteichef der britischen Konservativen und Premierminister haben in einer ersten Abstimmung sechs Kandidatinnen und Kandidaten die nächste Runde erreicht. Zunächst setzten sich dabei Ex-Finanzminister Rishi Sunak, Außenhandels-Staatssekretärin Penny Mordaunt, Außenministerin Liz Truss, die Abgeordnete Kemi Badenoch, der Chef des Auswärtigen Ausschusses Tom Tugendhat und Chefjustiziarin Suella Braverman durch.

Dorries wirft Sunak-Team „schmutzige Tricks“ vor

INFO-BOX:
Britische Premierminister
seit 1945
1945-1951: Clement Attlee
1951-1955: W. Churchill
1955-1957: Anthony Eden
1957-1963: H. Macmillan
1963-1964: A. Dougl.-Home
1964-1970: Harold Wilson
1970-1974: Edward Heath
1974-1976: Harold Wilson
1976-1979: J. Callaghan
1979-1990: M. Thatcher
1990-1997: John Major
1997-2007: Tony Blair
2007-2010: Gordon Brown
2010-2016: David Cameron
2016-2019: Theresa May
seit 2019: Boris Johnson
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Nicht über die Hürde von mindestens 30 Stimmen kamen hingegen Ex-Gesundheitsminister Jeremy Hunt und Finanzminister Nadhim Zahawi. Sunak erhielt die Unterstützung von 88 Tory-Abgeordneten. Auf Platz zwei landete Mordaunt, die von 67 Abgeordneten unterstützt wurde. Die ehemalige Verteidigungsministerin ist Umfragen zufolge bei den Parteimitgliedern am beliebtesten. Die Kandidatur von Liz Truss wurde in der ersten Wahlrunde von 50 Tory-Abgeordneten unterstützt, teilte der Vorsitzende des für die Wahlorganisation zuständigen Ausschusses, Graham Brady, mit.

Gleich nach der ersten Wahlrunde musste sich Sunak aber auch Vorwürfe anhören. Kulturministerin Nadine Dorries bezichtigte sein Team „schmutziger Tricks“, um sich einen Vorteil zu verschaffen. So hätten Sunak-Unterstützer Ex-Gesundheitsminister Jeremy Hunt Stimmen geliehen, um einen leicht zu schlagenden Kandidaten in die Endrunde zu bringen. Hunt schied im Anschluss aber ohnehin aus dem Rennen aus.

Dieses Schicksal ereilte auch Suella Braverman in der zweiten Wahlrunde, bei der sie als letzte mit den wenigsten Stimmen ausschied. Vorne lagen wie in der ersten Runde Sunak mit 101 Stimmen vor Mordaunt mit 83. Mordaunt, die inzwischen zur Favoritin bei den Buchmachern aufgestiegen ist, lag auch in einer aktuellen Yougov-Umfrage unter Konservativen vorn. Demnach würde sie alle anderen Kandidaten im direkten Duell klar besiegen. Damit zeichnet sich auch ein klares Votum für eine Kandidatin bzw. einen Kandidaten des liberalen Flügels der Torys ab. Braverman beispielsweise wird dem rechtskonservativen Parteiflügel zugerechnet.

Keiner der Kandidaten zweifelt den Brexit an

Die nächsten Abstimmungen in der Fraktion mit 358 Mitgliedern sind für kommende Woche geplant. Am Mittwoch soll dann klar sein, zwischen welchen beiden Bewerbern die Parteimitglieder in einer Stichwahl entscheiden müssen. Die Nachfolgerin oder der Nachfolger Johnsons soll dann spätestens am 5. September feststehen.

Der Wahlgang sei ein „starkes Vertrauensvotum“ für Sunak, sagte dessen ehemaliger Kabinettskollege Matt Hancock dem Sender Sky News. Allerdings bedeutet dessen klare Führung noch keine Vorentscheidung. Erwartet wird, dass Bravermans Unterstützer nun für Außenministerin Truss oder Ex-Staatssekretärin Kimi Badenoch stimmen, die ebenfalls dem rechten Lager zugeordnet werden. Außenseiter unter den verbleibenden Kandidaten ist Tom Tugendhat. Der Chef des Auswärtigen Ausschusses verlor im Vergleich zur ersten Runde am Mittwoch fünf Stimmen. Aufrufe, sich aus dem Rennen zurückzuziehen, wies der liberale Kandidat aber zurück.

Generell liegen die Bewerberinnen und Bewerber bei vielen Themen nicht allzu weit auseinander. So zweifelt niemand den Brexit an, zu umstrittenen Plänen der Johnson-Regierung herrscht Einigkeit. Alle kündigen zudem wie vom Gros der Partei gefordert Steuersenkungen an.