home Panorama, Politik Schrauben locker: Bundeswehr nimmt bestellte Airbus-Transportflugzeuge A400M nicht ab

Schrauben locker: Bundeswehr nimmt bestellte Airbus-Transportflugzeuge A400M nicht ab

Bild: airbus.com / Airbus

Wegen Problemen mit dem Propellersystem verweigert die Bundeswehr vorerst die Abnahme von zwei weiteren Transportflugzeugen des Typs Airbus A400M. Bei einem französischen Flugzeug des Modells sei aufgefallen, dass sich Schrauben gelöst hätten, berichtete „Spiegel Online“. Diese verbinden demnach die vom Propellergetriebe abgehende Welle mit dem Propeller. Wie ein Sprecher gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) bestätigte, seien die Schrauben Untersuchungen zufolge mit einem ungleichen Drehmoment angezogen. Im Betrieb könne dies zu strukturellen Schäden führen. Der Mangel betreffe insgesamt 24 Befestigungsmuttern.

Überprüfung nimmt mindestens 30 Stunden pro Flieger in Anspruch

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Airbus A400M
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Der Airbus A400M zeichnet sich gegenüber den bisher verwendeten Transport-flugzeugen der Typen Transall C-160 und Lockheed C-130 durch eine höhere Nutzlast, Transportvolumen, Geschwindigkeit und Reichweite aus. 2003 bestellten sieben europäische Staaten sowie Malaysia 180 Maschinen für 20 Milliarden Euro. Nach langen Verzögerungen fand der erste Testflug Ende 2009 statt, das erste Serienexemplar wurde im August 2013 übergeben. Der Stückpreis stieg von 125 auf 175 Millionen Euro. Die endgültige Version des A400M soll erst 2021 ausgeliefert werden, vorhandene Flugzeuge will man bis 2027 nachrüsten.
Inzwischen ordnete Airbus bei allen A400M-Kunden umfangreiche Inspektionen der bereits ausgelieferten Flugzeuge an. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums teilte mit, man müsse „vor Auslieferung sicherstellen, dass der A400M uneingeschränkt einsatzbereit ist, das beinhaltet auch die Beseitigung des Mangels am Propeller“. Weil dies noch nicht geschehen sei, sei auch die Übernahme von zwei anstehenden A400M aktuell nicht erfolgt. „Die Sicherheit unserer Soldatinnen und Soldaten bei der täglichen Nutzung des Luftfahrzeugs A400M hat für uns oberste Priorität. Wir sind uns unserer hohen Sicherheits- und Qualitätsstandrads bewusst. Diese werden wir auch in diesem Fall mit allen verfügbaren Mitteln und Maßnahmen umsetzen“, so die Bundeswehr in einer Mitteilung.

31 von insgesamt 53 bestellten Bundeswehr-Maschinen sind im niedersächsischen Wunstorf stationiert und kamen bisher in rund 1.700 Missionen zum Einsatz. Pro Maschine benötigten die Techniker nun mindestens 30 Stunden für eine eingehende Überprüfung. Bei dieser werden die Maschinen unter anderem auch auf Risse überprüft und Triebwerksbefestigungen bzw. Triebwerksklappen kontrolliert. Die betroffenen Flieger fallen daher mindestens einen Tag aus. Trotz der Ausfälle, die sich „negativ auf die materielle Einsatzbereitschaft“ der A400M-Flotte auswirken, könne die Luftwaffe aber ihre Einsatzflüge derzeit noch stemmen, hieß es aus dem Ministerium. Hersteller Airbus reagierte zurückhaltend auf eine entsprechende Anfrage zu den neuen Problemen. Man arbeite mit allen Kunden daran, die gesteckten Ziele für den A400M zu erreichen, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Mit Deutschland befinde man sich derzeit „in Diskussionen über die speziellen Auslieferungskriterien“. Dies sei aber „Teil des Standardprozesses“.

A400M mindestens 1,5 Milliarden Euro teurer als geplant

Der Airbus A400M, der als modernster Militärtransporter der Welt gilt, soll die veralteten Transall-Transporter der Bundeswehr nach und nach ersetzen. Diese spricht beim A400M daher auch vom „Rückgrat des Lufttransports“. Allerdings gilt gerade dieser Typ seit Jahren als eines der traurigsten Beispiele für das deutsche Chaos beim Einkauf von Rüstungsgütern. Gestartet als europäisches Projekt, tauchten immer neue Probleme auf. Am Ende wurden die Flugzeuge um mindestens 1,5 Milliarden Euro teuer als geplant, wurden mit jahrelangem Verzug ausgeliefert und hatten dazu noch erhebliche Defizite. So mussten Schritt für Schritt wichtige Fähigkeiten der Flieger nachgerüstet werden. Dazu gehören vor allem der für Flüge in Krisengebiete unabdingbare Raketenschutz sowie die Möglichkeit, Soldaten aus der Luft abzusetzen.