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DFB berät am 4. Dezember über die Zukunft von Bundestrainer Joachim Löw

Die Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) will am 4. Dezember über die Situation der Nationalmannschaft und die Zukunft von Bundestrainer Joachim Löw beraten. DFB-Direktor Oliver Bierhoff werde in einer Präsidiumssitzung eine Analyse des jüngsten 0:6-Debakels gegen Spanien und der „Gesamtentwicklung der Mannschaft in den vergangenen zwei Jahren“ vorstellen, teilte der Verband am Montag mit. Löw selbst wird bei der Sitzung nicht dabei sein, weil man ihm laut „Bild“ ein „Tribunal“ ersparen wolle.

Bierhoff stellt Löws Analyse vor

„Das DFB-Präsidium hat einstimmig einen Fahrplan verabschiedet, um Erkenntnisse zu sammeln, auszuwerten und darüber zu beraten“, so die DFB-Mitteilung weiter. Dieser sehe vor, dem Bundestrainer die zeitliche und emotionale Distanz zu geben, die aktuelle Situation der Nationalmannschaft grundlegend aufzuarbeiten. Sportlich, um die Ursachen der deutlichen Niederlage von Sevilla zu analysieren. Aber auch persönlich, um die eigene große Enttäuschung zu verarbeiten. Dies gehöre sich so. Zudem verwies der DFB auch auf die Hierarchie. Daher werde Bierhoff als DFB-Direktor Nationalmannschaften und Akademie und damit direkter Vorgesetzter Löws dessen Analyse vorstellen. Nach der Sitzung werde der DFB „zum gegebenen Zeitpunkt über Ergebnisse der Beratungen und nächste Schritte informieren.“ Die Zukunft des Weltmeister-Trainers von 2014 ist damit offener denn je.

Neubeginn nach WM 2018 ging schief

INFO-BOX:
Fussball-Bundestrainer
seit 1950
1950-1964: S. Herberger
1964-1978: Helmut Schön
1978-1984: Jupp Derwall
1984-1990: F. Beckenbauer
1990-1998: Berti Vogts
1998-2000: Erich Ribbeck
2000-2004: Rudi Völler
2004-2006: J. Klinsmann
2006-2021: Joachim Löw
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Zwar bemühte sich Bierhoff schon nach dem Tiefschlag von Sevilla, der zweithöchsten Niederlage in der DFB-Historie, dem sichtbar gezeichneten Bundestrainer das Vertrauen auszusprechen. Dem Verband wird ein einfaches „Weiter so“ angesichts der im kommenden Sommer anstehenden Europameisterschaft mit drei Gruppen-Heimspielen in München nicht ausreichen. Der Vertrag mit dem 60 Jahre alten Löw läuft noch bis zur Weltmeisterschaft 2022. Eine große Zahl von Fans wie auch prominente Ex-Fußballer von Lothar Matthäus über Jürgen Klinsmann bis hin zu Jürgen Kohler trauen dem seit dem „Sommermärchen“ amtierenden Bundestrainer keine Wende zum Guten und damit ein erfolgreiches Abscheiden bei der EM mehr zu. Allerdings muss man Löw auch zugutehalten, dass die Situation für ihn und sein Team in diesem Jahr durch die Auswirkungen der Corona-Krise und den dadurch zusammengedrängten Spielplan keineswegs leicht war.

Man darf somit gespannt sein, welche Schlüsse der Bundestrainer zieht. Nach dem historischen Vorrunden-Aus bei der WM 2018 sprach Löw nach zweimonatiger Analyse von Arroganz und Selbstgefälligkeit bei seinen Einschätzungen. Der erhoffte Neubeginn in der Nations League ging schief, Deutschland verblieb nur dank einer Aufstockung in der besten Gruppe A. In der EM-Qualifikation gelang mit einem spät eingeleiteten Personal-Umbruch ein zwischenzeitlicher Aufschwung. Regelmäßig folgen auf gute Phasen aber auch immer wieder Rückschläge, Kritiker bemängeln seit Langem die fehlende Kontinuität im Team.

Kuntz und Rangnick als kurzfristige Alternativen

Löws weiteres Problem: die „Schmach von Sevilla“ wird noch lange in den Köpfen von Verantwortlichen, Spielern und Fans herumspuken. Die nächsten Länderspiele stehen erst im März 2021 auf dem Programm. Diese werden gleichzeitig die letzten vor der Nominierung des EM-Kaders sein. Doch auch die DFB-Funktionäre stehen vor einem Dilemma. Sollte man bei den Beratungen zu dem Schluss kommen, dass Löw doch nicht mehr der richtige Mann auf dem Bundestrainerposten ist, sind die Alternativen rar. Neben dem bisherigen U21-Nationalcoach Stefan Kuntz ist derzeit nur der ehemalige Leipziger Cheftrainer und Sportdirektor Ralf Rangnick im Gespräch. Eine Entscheidung für Rangnick könnte allerdings größere Veränderungen in der Führungshierarchie beim DFB nach sich ziehen. Top-Trainer wie Hansi Flick (Bayern München) oder Jürgen Klopp (FC Liverpool) wären frühestens nach der EM 2021 oder gar erst der WM 2022 denkbar.