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Avast Antivirus: Tochterfirma Jumpshot verkauft ausspionierte Nutzerdaten

Bild: avast.com / Avast

Der Hersteller der Schutzsoftware Avast Antivirus muss sich für die Geschäfte einer Tochtergesellschaft namens Jumpshot rechtfertigen. Wie das Tech-Magazin „Vice“ berichtet, soll Avast über das Browserplugin der Antivirensoftware die Webnutzungsdaten von mehreren Hundert Millionen Nutzern gesammelt und an Drittfirmen verkauft haben. Dazu gehörten Global Player wie Microsoft, Google, McKinsey, Pepsi oder Condé Nast, wie aus geleakten Dokumenten hervorgehe.

2019 schon Avast-Browsererweiterungen in der Kritik

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Die Avast Software s.r.o. wurde 1988 von Pavel Baudiš und Eduard Kučera gegründet. Das Unternehmen mit Sitz in Prag beschäftigt rund 1.600 Mitarbeiter und weist einen Umsatz von rund 800 Millionen US-Dollar aus. Im Oktober 2016 bildete Avast mit der Übernahme der AVG Technologies N.V. zum Kaufpreis von rund 1,3 Milliarden US-Dollar die Avast Gruppe. Hauptprodukt der Gruppe sind Antivirenprogramme.
„Jumpshot bietet Einblicke in die Online-Reisen der Verbraucher, indem jede Suche, jeder Klick und jeder Kauf in 1.600 Kategorien von mehr als 150 Websites, darunter Amazon, Google, Netflix oder Walmart, gemessen wird“, schreibt die Avast-Tochter auf ihrer Firmenwebseite. Die Käufer der sensiblen Nutzerdaten sollen zum Teil dafür mehrere Millionen US-Dollar gezahlt haben. Wie „Vice“ weiter schreibt, gehören zu den abgegriffenen Daten unter anderem Google-Suchen, Standortdaten, LinkedIn-Besuche und angeschaute Youtube-Videos. Auch Youporn und PornHub-Aufrufe seien aufgezeichnet worden. In einigen Fällen fanden sich sogar die dort eingegebenen Suchbegriffe und angeschauten Videos in den Datensätzen. Obwohl keine Namen oder andere persönliche Daten weitergegeben wurden, könne man anhand von Browserdaten oder der Geräte-ID, die jeder Avast-Nutzer im Rahmen der Installation erhält, trotzdem Nutzer identifizieren, so ein Experte gegenüber dem Portal. Unternehmen wie Google oder Amazon könnten so noch viel genauere Nutzerprofile erstellen, als sie dies ohnehin schon tun.

Schon im vergangenen Dezember stand Avast wegen seines Umgangs mit Nutzerdaten in der Kritik. Damals hatten Google und Mozilla vorübergehend Browser-Erweiterungen des Unternehmens aus ihren Stores für Firefox und Chrome genommen. Die Erweiterungen hatten Informationen zu Aktivitäten von Nutzern an einen Avast-Server geschickt. Dies hatte bereits einige Wochen zuvor der Adblock Plus-Entwickler Wladimir Palant publik gemacht. Die Datensammlung über die Browser-Erweiterungen soll zu diesem Zeitpunkt bereits vier Jahre gelaufen sein. Nach der Enthüllung soll Avast keine weiteren Daten aus den Erweiterungen mehr an Jumpshot gesendet und stattdessen nun die Antivirensoftware selbst für die Datensammlung eingesetzt haben. Seit etwa einer Woche bittet die Software nun manche User per Pop-up um ihre Zustimmung zur Datenerhebung. Wie „Vice“ schreibt, gehe aus der Einwilligung aber nicht eindeutig hervor, dass auch die Browserhistorie weiterverkauft werden soll. Zusätzlich haben Nutzer die Möglichkeit, der Datensammlung in den Einstellungen der Software zu widersprechen.

Jumpshot: Kunden zahlen Millionensummen für Feeds

Nach Angaben von „Vice“ gibt Jumpshot an, Daten zu 100 Millionen Geräten zu besitzen. Avast spricht zudem von 435 Millionen monatlich aktiven Nutzern seiner Software. Kunden könnten sich bei Jumpshot wahlweise Feeds mit Schwerpunkten (beispielsweise zum Videokonsum oder zu Suchmaschineneingaben) oder auch einen „All Clicks Feed“ bestellen. Bei letzterem handelt es sich nach Angaben des Tech-Magazins um eine Übersicht aller Klicks erfasster Avast-Nutzer auf bestimmte Domains, wie beispielsweise Amazon.com. Für den Zugang zu einem solchen „All Clicks Feed“ soll unter anderem das Medienunternehmen Omnicom eine Millionensumme auf den Tisch gelegt haben. Wofür genau die eingekauften Daten eingesetzt werden, wollte das Unternehmen auf Anfrage aber nicht beantworten.

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