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USA: Google entzieht Huawei Android-Lizenzen – Auch Chiphersteller beenden Zusammenarbeit

Bild: wikimedia.org / Raysonho @ Open Grid Scheduler / Grid Engine

Nach den jüngsten Maßnahmen der US-Regierung gegen den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei hat der US-Branchenriese Google angekündigt, seine Geschäftsbeziehungen zu dem Unternehmen einzuschränken. Google beuge sich dem Dekret von US-Präsident Donald Trump, teilte das Unternehmen am Montag mit und entzog Huawei die Lizenzen für das Smartphone-Betriebssystem Android. Konkret wolle man die Bereitstellung von Hardware sowie einiger Software-Dienste einstellen. Android ist das weltweit dominierende Smartphone-Betriebssystem mit einem Marktanteil von mehr als 80 Prozent.

USA verdächtigen Huawei der Spionage

Hintergrund ist eine im Zuge des aktuellen Handelsstreits zwischen den beiden Ländern von der US-Regierung veröffentlichte schwarze Liste von Unternehmen, die als Risiko für die nationale Sicherheit der USA angesehen werden. Huawei wird dabei durch seine Nähe zur chinesischen Führung verdächtig, seine unternehmerische Tätigkeit für Spionage zu nutzen. Das von Donald Trump erlassene Dekret verbietet es US-Firmen seither, ohne Erlaubnis der Regierung Geschäfte mit Huawei sowie seinen rund 70 Tochtergesellschaften zu machen. Für Besitzer von Huawei-Smartphones ändert sich dadurch jedoch erst einmal nichts, da Google bereits ausgelieferte Geräte nicht deaktiviert. So will man auch weiterhin den App-Store Play sowie die damit verbundenen Sicherheitsfunktionen für Huawei-Kunden anbieten.

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Huawei wurde 1987 von Ren Zhengfei gegründet und hat seinen Sitz in Shenzhen, einer chinesischen Sonderwirtschaftszone in unmittelbarer Nachbarschaft zur Sonderverwaltungszone Hongkong. Der Konzern hat rund 180.000 Mitarbeiter und erzielte 2017 einen Gewinn von umgerechnet rund 6,2 Milliarden Euro.
Anders sieht es hingegen mit Software-Updates aus. Google hat angekündigt, dass auf Huawei-Geräten künftig keine Sicherheitslücken mehr gestopft und keine neuen Funktionen mehr aufgespielt werden. Ein Update auf die nächste Android-Version „Q“ ist damit so gut wie ausgeschlossen. Auf den chinesischen Geräten könnte demnach zukünftig nur noch eine Open Source-Version von Android laufen, für die die entsprechenden Lizenzen nicht benötigt würden. Dies würde allerdings bedeuten, dass Google-Apps und Dienste wie das E-Mail-Programm G-Mail, Google Maps oder auch der Play Store nicht mehr lauffähig wären.

Aber auch die Produktion der Geräte selbst ist in Gefahr: So kündigten inzwischen weitere US-Unternehmen wie Broadcom, Xilinx und die Chiphersteller Intel und Qualcomm an, Huawei bis auf Weiteres nicht mehr beliefern zu wollen. Offiziell hat sich der chinesische Konzern noch nicht zu den aktuellen Entwicklungen und der Zukunft geäußert. Huaweis Smartphone-Chef Richard Yu hatte jedoch in der Vergangenheit bereits angedeutet, dass sich das Unternehmen auf ein solches Szenario vorbereite und ein eigenes Betriebssystem entwickle. Dieses soll Insidern zufolge kurz vor der Beta-Phase stehen.

Huawei zweitgrößter Smartphone-Produzent der Welt

Auf dem Smartphone-Markt rangiert Huawei hinter Samsung auf Platz 2 der weltweit verkauften Geräte und liegt damit noch vor Apple. Im ersten Quartal dieses Jahres verkaufte das Unternehmen etwa 60 Millionen Smartphones. Die Technik des Konzerns spielt zudem eine wichtige Rolle beim Aufbau der neuen 5G-Mobilfunknetze, die Schlüsseltechnologien wie dem autonomen Fahren und der vernetzten Industrie den Weg bereiten sollen.

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