home Politik, Wirtschaft Chaos bei der Commerzbank: Vier Mitglieder verlassen Aufsichtsrat

Chaos bei der Commerzbank: Vier Mitglieder verlassen Aufsichtsrat

Die Commerzbank steckt mitten in einem riesigen Führungschaos. Medienberichten zufolge scheiden drei weitere Mitglieder des Aufsichtsrats aus dem Kontrollgremium aus. Es handelt sich um die E.On-Vorständin Victoria Ossadnik, den früheren Otto-Vorstand Rainer Hillebrand und Tobias Guldimann (ehemals Credit Suisse). Erst vor zwei Wochen hatte Deutschlands zweitgrößte Privatbank den krankheitsbedingten Rückzug von Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter vermelden müssen. In der vergangenen Woche musste sich zudem der frühere HSBC-Deutschland-Chef Andreas Schmitz nach Krach mit dem Bund aus dem Gremium zurückziehen.

Keese, Westhoff, Mattheus und Seifert nominiert

Dieser ist seit der Finanzkrise Großaktionär der Bank und hält 15 Prozent der Aktien. Schmitz war bisher nur gerichtlich bestellt und scheiterte am Veto der von der Bundesregierung in den Commerzbank-Aufsichtsrat entsandten Jutta Dönges. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ am Donnerstag berichtete, werden als Ersatz nun der langjährige Allianz-Manager Burkhard Keese, der ehemalige Bankvorstand Frank Westhoff, die Rechtsanwältin Daniela Mattheus sowie die Gründerin und frühere Telekom-Managerin Caroline Seifert in den Commerzbank-Aufsichtsrat einziehen. Keese fehlt der Zeitung zufolge allerdings noch die Zustimmung seines britischen Arbeitgebers Lloyd’s. Daher konnte die Commerzbank nur drei neue Vorstände nominieren. Neuer Aufsichtsratsvorsitzender wird Helmut Gottschalk, der bis 2017 die Volksbank Herrenberg leitete und bis 2018 den Aufsichtsratsvorsitz des genossenschaftlichen Spitzeninstituts DZ Bank innehatte. Die neuen Mitglieder des Aufsichtsrats sollen sich im Mai bei der Hauptversammlung den Aktionären zur Wahl stellen.

Schmitz in Cum-Ex-Skandal verwickelt

INFO-BOX:
Commerzbank
Die 1870 gegründete Commerzbank war zunächst in Hamburg tätig. Später kamen Filialen in Berlin und Frankfurt am Main hinzu. Seit 1990 hat sie ihren Sitz in Frankfurt und betreut rund 18 Millionen Kunden im In- und Ausland. 2019 wies sie eine Bilanzsumme von rund 464 Milliarden Euro aus.
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Hans-Jörg Vetter hatte den Aufsichtsratsvorsitz bei der Commerzbank im Sommer 2020 übernommen und in den vergangenen Monaten den neuen Vorstandsvorsitzenden Manfred Knof dabei unterstützt, eine radikale Sanierung des krisengebeutelten Geldinstituts auf den Weg zu bringen. Als Vetter im März ausscheiden musste, wurde Schmitz als dessen potenzieller Nachfolger gehandelt. Dieser gehört jedoch seit Jahren zu den Beschuldigten im Cum-Ex-Steuerskandal. Allerdings hatte sich Schmitz Insidern zufolge gegenüber der Bank sowie der Finanzaufsicht offenbart und danach grünes Licht für den Aufsichtsratsposten erhalten.

Wichtige Teile des Kontrollgremiums fühlten sich aber offenbar nicht ausreichend von Schmitz über das Cum-Ex-Thema informiert und sprachen sich dagegen aus, dass er auf der anstehenden Hauptversammlung in den Aufsichtsrat gewählt wird. Schmitz beantragte daraufhin eine Art Vertrauensabstimmung, bei der er neben seiner eigenen nur die Stimmen von Hillebrand und Guldimann erhielt. Ossadnik enthielt sich der Stimme. Mit fünf Gegenstimmen im Gepäck verließ Schmitz umgehend den Commerzbank-Aufsichtsrat, seine Unterstützer folgten ihm kurz darauf. „Angesichts des Umgangstons der Vertreter des Bundes und ihrer Dominanz ist die Aufsichtsratsarbeit sehr schwierig geworden“, sagte ein Insider gegenüber dem „manager magazin“.

Commerzbank: 8.000 Stellen fallen bis 2024 weg

Die teilverstaatliche Commerzbank musste im vergangenen Jahr den höchsten Jahresverlust seit der Finanzkrise vor elf Jahren verkünden. Bis Ende 2024 sollen daher von derzeit rund 40.000 Stellen 8.000 abgebaut werden. Damit fällt in Deutschland jeder dritte Arbeitsplatz weg. Betriebsbedingte Kündigungen wolle man aber vermeiden, hieß es vonseiten der Bank. Schon bis Ende dieses Jahres sollen 1.700 Vollzeitstellen „sozialverträglich“ wegfallen. Darauf habe sich der Vorstand mit dem Gesamtbetriebsrat geeinigt. Dafür wird ein Freiwilligenprogramm für die Mitarbeiter aufgelegt, dessen Kosten für Abfindungen sowie die Schließungen von Filialen auf 470 Millionen Euro veranschlagt wird. Diesen Betrag will das Institut zulasten seines Gewinns im ersten Quartal 2021 buchen. Die Gesamtkosten für den Konzernumbau, dem auch Auslandsstandorte zum Opfer fallen sollen, hatte die Bank mit 1,8 Milliarden Euro veranschlagt.

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