home Auto, Wirtschaft Verdacht auf Untreue und Bestechung: Großrazzia bei Autobauer Porsche

Verdacht auf Untreue und Bestechung: Großrazzia bei Autobauer Porsche

Bild: porsche.de / Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG

Staatsanwaltschaft, Steuerfahndung und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg haben heute unter anderem Büros des Autobauers Porsche durchsucht. Betroffen von den Durchsuchungen waren zudem Finanzbehörden, eine Steuerberatungskanzlei sowie Privatwohnungen, teilten die Behörden mit. Im Raum stehe der Verdacht auf Bestechung und Untreue. So soll ein Beamter des Konzernprüfungsamtes Stuttgart während einer Betriebsprüfung „geheimhaltungsbedürftige Informationen“ an einen Steuerberater der Porsche AG verraten und im Gegenzug Vorteile angenommen haben. Außerdem bestehe nach Angaben der Staatsanwaltschaft der Verdacht, dass einem früheren Betriebsratsmitglied für seine Tätigkeit unverhältnismäßig hohe Vergütungen gezahlt wurden.

Zu hohe Gehälter für Betriebsräte auch bei Volkwswagen

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Die Porsche AG wurde 1931 von Ferdinand Porsche gegründet. Sie hat ihren Sitz in Stuttgart-Zuffenhausen und beschäftigt rund 30.000 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz beläuft sich auf etwa 26 Milliarden Euro (Stand 2018). Seit 1. August 2012 ist Porsche eine 100-prozentige Tochter der Volkswagen AG. Zu den bekanntesten Modellen gehören der Porsche 911, Carrera GT, Panamera und Cayenne. Das Porsche-Wappen enthält das Stuttgarter Wappentier, das Landeswappen des freien Volksstaates Württemberg und die Schriftzüge „Porsche“ und „Stuttgart“ als Symbol der Bedeutung des Produktionsstandortes Zuffenhausen.
Nach Informationen der „WirtschaftsWoche“ soll es sich dabei um den ehemaligen Betriebsratschef Uwe Hück handeln. Dieser war erst im Februar überraschend als Betriebsratsvorsitzender der Porsche AG und VW-Aufsichtsratsmitglied zurückgetreten. Der Rücktritt soll nach Angaben des Magazins im Zusammenhang mit den Vorwürfen stehen. Die Porsche AG wollte diesen Verdacht jedoch nicht bestätigen. Fünf Porsche-Mitarbeiter, darunter auch Führungskräfte sowie der auch im anderen Fall verdächtigte Steuerberater, sollen sich gegenüber Porsche unter anderem der Untreue strafbar gemacht haben. Der Betriebsrat selbst gehört nicht zu den Beschuldigten. Unklar blieb bisher, ob die Ermittlungen wegen des Betriebsratsgehalts im Zuge der Untersuchungen bei der Betriebsprüfung aufgekommen waren. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart sagte dazu lediglich, es handele sich um zwei voneinander unabhängige Sachverhalte.

An der Aktion waren zehn Staatsanwälte und rund 180 Beamte des Landeskriminalamtes, der Polizeipräsidien Stuttgart, Ludwigsburg, Aalen und Karlsruhe sowie der Steuerfahndung beteiligt. Die durchsuchten Privatwohnungen befinden sich in den Landkreisen Karlsruhe, Pforzheim sowie im Ostalbkreis. Dabei sei umfangreiches Beweismaterial wie Unterlagen und Datenträger sichergestellt worden. Der Fall birgt Parallelen zu Volkswagen. Auch dort hatte die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue ermittelt, ob man Arbeitsnehmervertretern zu hohe Gehälter genehmigt hatte. Betriebsräte zählten hier aber ebenfalls nicht zu den Beschuldigten. Als Konsequenz hatte Volkswagen im Anschluss die Gehälter führender Arbeitnehmervertreter, wie Betriebsratschef Bernd Osterloh, zeitweise gedeckelt.

Dieselskandal: Staatsanwaltschaft verhängt hohe Geldbuße

Auch Porsche selbst bestätigte unterdessen die Ermittlungen und gab an, dass Ermittler in Geschäftsräumen Unterlagen sichteten und mitnahmen. Man wolle „vollumfänglich“ mit den Behörden kooperieren, so das Unternehmen. Damit reißen die negativen Nachrichten für Porsche nicht ab. Zuvor war bekannt geworden, dass die Volkswagen-Tochter im Zuge des Dieselskandals ein Bußgeld in Höhe von 535 Millionen Euro aufgebrummt bekommen hat. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart begründete die Strafe unter anderem mit fahrlässigen Aufsichtspflichtverletzungen in der Entwicklungsabteilung.