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Alarmierende WHO-Studie: Vier von fünf Jugendlichen bewegen sich zu wenig

Bild: pixabay.com / joshdick75

Vier von fünf Jugendlichen im schulpflichtigen Alter bewegen sich zu wenig. Dies zeigt eine Studie, die die Weltgesundheitsorganisation WHO heute vorstellte. Die Verfasser haben dazu rund 300 Erhebungen aus 146 Ländern ausgewertet. Weltweit sind demnach 81 Prozent aller Jugendlichen zwischen elf und 17 Jahren zu wenig körperlich aktiv und erreichen nicht die von der WHO empfohlenen 60 Minuten körperliche Betätigung pro Tag. Hierzu gehört auch moderate Bewegung, wie beispielsweise mit dem Fahrrad oder zu Fuß zur Schule zu kommen.

Elektronische Revolution verändert Bewegungsmuster

Auch deutsche Jugendliche schneiden bei der Studie, die im Fachmagazin „The Lancet“ publiziert wurde (siehe Info-Box) schlecht ab. 79,7 Prozent der Jungen und sogar 87,9 Prozent der Mädchen waren 2016 körperlich nicht aktiv genug. Im Vergleich zu einer Untersuchung aus dem Jahr 2001 haben sich die Zahlen für Deutschland nicht wesentlich verändert. Auch weltweit konnten die Experten nur geringe Verbesserungen zu verzeichnen. „Wir hatten eine elektronische Revolution, die die Bewegungsmuster von Jugendlichen offensichtlich verändert hat – und sie dazu anregt, mehr zu sitzen, weniger aktiv zu sein, mehr zu fahren, weniger zu gehen“, sagte Leanne Riley, eine der Co-Autorinnen der Studie. Die Jugendlichen spielten letztlich mehr digital als wirklich aktiv.

Mädchen bewegen sich weltweit weniger als Jungen

INFO-BOX:
WHO-Studie
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Die vollständige Studie der WHO können Sie mit einem Klick auf "mehr dazu" einsehen (Englisch).
Auffällig bleibt, dass sich Mädchen nahezu überall auf der Welt weniger bewegen als Jungen. Egal, ob in reichen oder ärmeren Staaten. Dabei sagt die landläufige Meinung, dass es eher die Jungs sind, die stundenlang zu Hause vor der Spielekonsole sitzen, als zum Sportverein zu gehen. Dies muss allerdings kein Widerspruch sein, wie Kerstin Manz vom Robert-Koch-Institut (RKI) erklärt. So könne man nach fünf Stunden Videospielen immer noch zwei Stunden zum Fußball gehen und so die Empfehlungen erreichen, sagte die Sportwissenschaftlerin. Die größten Unterschiede zwischen den Geschlechtern machte die Studie in Irland (17 Prozentpunkte) und den USA (16,5) aus. „Hier wirken sich kulturelle Aspekte aus. In manchen Kulturen ist es nicht vorgesehen, dass Mädchen so aktiv sind wie Jungen, oder sie werden nicht ermutigt, sich so viel zu bewegen wie die Jungs“, sagte Riley.

Insgesamt war der Anteil der inaktiven Kinder in Südkorea am höchsten, während er in Bangladesch den niedrigsten Wert aufwies. Hier wie auch in Indien treibt immerhin jeder dritte junge Mensch mehr als eine Stunde am Tag Sport. Dies führen die Autoren der Studie darauf zurück, dass in beiden Ländern das Spiel Cricket tief verwurzelt ist. Anders in Südkorea, wo Eltern besonders viel Wert auf gute schulische Leistungen statt auf das Toben legen.

USA: Eine Stunde Sport pro Tag auf dem Stundenplan

Mit 36 Prozent aller Jungen und rund 28 Prozent aller Mädchen, die am Tag mindestens 60 Minuten körperlich aktiv sind, liegt die USA für viele überraschend im weltweiten Spitzenfeld. „Das liegt daran, dass dort jeden Tag eine Stunde Sport auf dem Stundenplan steht“, erklärt Martin Halle, Direktor des Instituts für Sportmedizin und Sportkardiologe der TU München. Dies wäre aus seiner Sicht auch für Deutschland wünschenswert: „Jeden Tag eine Stunde Sport – warum nicht?“ Die Weltgesundheitsorganisation hatte eigentlich als Ziel ausgegeben, den Anteil von Jugendlichen mit zu wenig Bewegung bis zum Jahr 2030 auf 70 Prozent zu senken. „Dieses Ziel können wir nicht einhalten, wenn sich diese Trends fortsetzen“, sagte Regina Guthold, Studienautorin und WHO-Expertin für die Gesundheit von Jugendlichen, deutlich.