home Gesundheit IGeL-Report 2018: Die meisten Selbstzahler-Angebote sind unnütz

IGeL-Report 2018: Die meisten Selbstzahler-Angebote sind unnütz

Pro Jahr geben Patienten in Deutschland jährlich rund eine Milliarde Euro für Leistungen beim Arzt aus, die sie selbst bezahlen müssen. Unter diese Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) fallen alle Therapien, die die Krankenkassen nicht übernehmen. Diese warnen jedoch vor den IGeL-Leistungen, da viele der angebotenen Untersuchungen nutzlos sind und teilweise sogar der Gesundheit schaden können.

Augeninnendruckmessung vor Eierstock-Untersuchung

Das Spektrum der Individuellen Gesundheitsleistungen reicht von der professionellen Zahnreinigung über die Laserbehandlung von Krampfadern und der Augeninnendruckmessung zur Früherkennung des Grünen Stars bis zu Reiseimpfungen. Wie der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) mitteilte, widersprechen viele der angebotenen Untersuchungen den Empfehlungen von Berufsverbänden. So orientierten sich die Angebote nicht am nachgewiesenen Nutzen, sondern an Vorlieben von Arztgruppen und Umsatzinteressen der Praxen, sagte MDS-Geschäftsführer Peter Pick. „Zum Teil werden Patienten unter Druck gesetzt, damit sie solche Leistungen annehmen. Das ist nicht hinnehmbar.“

© mds-ev.de / Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen

Nach dem „IGeL-Report 2018“ (siehe auch Info-Box), der die Ergebnisse einer Umfrage unter 2.000 gesetzlichen Versicherten wiederspiegelt, war das von Ärzten am häufigsten verkaufte Angebot die Messung des Augeninnendrucks zur Früherkennung des Grünen Stars. Eine alleinige Messung ohne eine Augenspiegelung werde vom Berufsverband aber als „Kunstfehler“ eingestuft, so der MDS. Auf dem zweiten Platz folgt die Ultraschall-Untersuchung der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung bei Frauen. Dabei sei laut MDS seit Langem bekannt, dass diese Untersuchung in der Regel wenig bis gar keinen Nutzen hat und gleichzeitig das Risiko einer falschen Diagnose steigt, die den Patientinnen erheblich schaden kann.

BVF: Viele IGeL-Angebote sollten Kassenleistung werden

INFO-BOX:
IGeL-Report 2018
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Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) weist die Kritik entschieden zurück. Viele IGeL-Angebote seien im Gegenteil so sinnvoll, dass sie eigentlich Kassenleistungen sein sollten. BVF-Präsident Christian Albring räumt so zwar ein, dass ein Ultraschall allein zum Screening von Eierstockkrebs ungeeignet sei, allerdings ließen sich dadurch gewebliche Veränderungen besser beurteilen. „Es scheint, dass die Krankenkassen diese Untersuchung so massiv kritisieren, um möglichst lange zu verhindern, den Ultraschall als Screeningmethode in die Regelversorgung aufzunehmen“, so Albring.

Den gesetzlichen Kassen sind die IGeL-Angebote seit langem ein Dorn im Auge. Vor allem Gynäkologen, Augenärzte, Orthopäden, Urologen und Hautärzte erzielen Untersuchungen der Kassen zufolge mit diesen Leistungen zusätzliche Einnahmen.

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