home Gesundheit Nach Todesfällen: Experten fordern dringende Reformen oder Abschaffung des Heilpraktiker-Berufs

Nach Todesfällen: Experten fordern dringende Reformen oder Abschaffung des Heilpraktiker-Berufs

Die Arbeit von Heilpraktikern ist in Deutschland umstritten. Spätestens seit vor einem Jahr drei Krebspatienten eines Alternativmediziners nach der Behandlung starben, steht die Branche in der Kritik. Nun fordert eine Expertengruppe, den Beruf grundlegend zu reformieren oder ganz abzuschaffen.

Experten bemängeln niedrige Standards

INFO-BOX:
Heilpraktiker-Ausbildung
Der Beruf des Heilpraktikers ist durch das Heilpraktikergesetz in Deutschland staatlich anerkannt und geschützt. Es gibt keine vorgeschriebene Regelausbildung, jedoch eine staatlich geregelte Prüfung aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil.
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Ihre Kritik hat die 17-köpfige Gruppe als „Münsteraner Memorandum“ im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht. Darin spricht man sich für tief greifende Reformen aus, um Patienten besseren Schutz zu gewähren. Als problematisch sehen die Experten die fehlende Einheitlichkeit der Ausbildung von Heilpraktikern an (siehe auch Info-Box). Diese müssten oftmals lediglich kurze, weitestgehend unregulierte Kurse mit abschließender Prüfung absolvieren, um sich anschließend als staatlich anerkannt bezeichnen zu dürfen. Dadurch würde der Eindruck erweckt, sie hätten eine ähnlich umfassende Ausbildung erhalten wie Mediziner, die sich in einem mehrjährigen Studium beweisen müssen.

Des Weiteren kritisiert die Gruppe, dass Behandlungsmethoden der Alternativ-Mediziner oftmals die wissenschaftliche Grundlage fehle, diese aber trotz zweifelhafter Wirksamkeit aktiv werden. Als Beispiel wird auch der Fall des am Niederrhein tätigen Heilpraktikers aufgegriffen, der eine Krebspraxis eröffnete und womöglich den Tod dreier Patienten mitverschuldete. Mittlerweile ermittelt in diesem Fall die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung.

Rückendeckung von Patientenrechtlern

Um solche Fälle in der Zukunft zu verhindern, fordern die Vertreter der Gruppe, die sich unter anderem aus Medizin-Ethikern, Juristen, Historikern, Pflegeexperten und einem Journalisten zusammensetzt, die Politik auf, strengere Regeln für die staatliche Anerkennung zu beschließen. Dabei lehnt man den Beruf nicht grundlegend ab, sondern wünscht sich dessen Professionalisierung per Reform. So sollen künftig Fachheilpraktiker ausgebildet werden, die sich aus bestehenden Gesundheitsberufen wie Alten- und Krankenpflegern rekrutieren könnten.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz begrüßte den Vorstoß. Ihr Vorstand Eugen Brysch erklärte in einer Mitteilung, eine grundlegende Reform des Heilpraktikerrechts sei überfällig, weil Patienten heute kaum zwischen seriösen Anbietern und Scharlatanen unterscheiden könnten. Zudem dürfe es nicht sein, dass es in Deutschland einfacher sei, Heilpraktiker als Krankenpfleger zu werden, so Brysch.

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