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Bahnchef Rüdiger Grube mit sofortiger Wirkung zurückgetreten – S21-Gegner schöpfen Hoffnung

Der bisherige Bahnchef Rüdiger Grube ist mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurückgetreten. Vorausgegangen waren Streitigkeiten um die Verlängerung seines Vertrages. Bis ein Nachfolger gefunden ist, übernimmt Richard Lutz, der Finanzvorstand der Bahn, Grubes Aufgaben. Wer die Position an der Spitze des staatseigenen Konzerns künftig bekleiden könnte, ist noch offen.

Aufsichtsrat wollte kürzere Vertragslaufzeit

Der Rücktritt kommt überraschend. Erst kürzlich hatten sich Vorstand und Aufsichtsrat auf eine Vertragsverlängerung um drei Jahre geeinigt. Diese sollte bei einer für heute anberaumten Aufsichtsratssitzung abgeschlossen werden, offenbar kam es dabei aber erneut zu Uneinigkeiten. Laut Medienberichten rückte der Aufsichtsrat von der ursprünglich zugesagten Laufzeit ab und verkürzte das Vertragsangebot auf zwei Jahre, weshalb Grube darum bat, seinen laufenden Vertrag durch eine sofortige Auflösungsvereinbarung zu beenden. Diesem Wunsch habe der Aufsichtsrat entsprochen.

In den vorhergehenden Verhandlungen gab es ebenfalls Spannungen zwischen den Parteien. Aus Regierungskreisen hieß es, Grube habe eine Gehaltserhöhung gefordert, der man im Aufsichtsrat nicht zustimmen wollte. Schließlich rückte der 65-Jährige zugunsten des Dreijahresvertrags davon ab und verzichtete zusätzlich auf eine Abfindung für den Fall eines vorzeitigen Rücktritts.

S21-Gegner setzen Hoffnungen in Nachfolger

INFO-BOX:
Stuttgart 21
Kernstück des Projekts Stuttgart 21 ist der Umbau des Kopfbahnhofes Stuttgart Hauptbahnhof in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof. Die im Projekt enthaltene Neubaustrecke Stuttgart-Wendlingen soll dabei den Hauptbahnhof über den Flughafen mit Ulm verbinden. Die Bauarbeiten begannen am 02. Februar 2010. Die Eröffnung ist aktuell Ende 2022 geplant.
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Die Frage nach einem möglichen Nachfolger bleibt vorerst unbeantwortet. Zwar kündigte der Aufsichtsrat an, zeitnah über die Neubesetzung des Postens entscheiden zu wollen, zu potenziellen Kandidaten äußerte man sich aber nicht. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bezeichnete den Abgang Grubes als “so nicht zu erwartende Wende“ und sagte, die Nachfolge müsse nun „möglichst zügig“ gelöst werden, verzichtete aber ebenfalls auf die Nennung von Namen.

Bei Gegnern des Bauprojektes „Stuttgart 21“, das eng mit Grube verbunden ist, löste der Abschied des ehemaligen Bahnchefs Aufbruchsstimmung aus. Matthias von Herrmann, der Sprecher des Bündnisses „Parkschützer“ erklärte, Rüdiger Grube habe für Stuttgart 21 gestanden, mit seinem Rücktritt sei auch S21 am Ende. Weil die zu erwartenden Ausgaben für den Prestigebahnhof die ursprünglich veranschlagten Kosten von 6,5 Milliarden Euro deutlich übersteigen sollen, war das Vorhaben zuletzt wieder stärker in die Kritik geraten. Der Bundesrechnungshof geht mittlerweile von bis zu 9 Milliarden Baukosten aus. Nach Ansicht der Gegner könnte der kommende Bahnchef in der Lage sein, das umstrittene Projekt neu zu überdenken.

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