home Panorama, Politik Cambridge Analytica: Datenskandal macht Facebook zum Ziel von Ermittlungen

Cambridge Analytica: Datenskandal macht Facebook zum Ziel von Ermittlungen

Nach dem jüngsten Datenskandal bei Facebook gerät das Unternehmen in das Visier der Behörden. In den USA wird eine Aussage des Firmenchefs Mark Zuckerberg vor dem Kongress gefordert, in Großbritannien hat die Datenschutzbehörde ICO Ermittlungen eingeleitet. Gleichzeitig hat der bisherige Sicherheitschef dem Unternehmen laut Medienberichten im Streit den Rücken gekehrt.

USA: Mögliche Wahlmanipulation soll untersucht werden

INFO-BOX:
Cambridge Analytica
Cambridge Analytica (CA) wurde von der britischen SCL Group gegründet und hat ihren Hauptsitz in New York. CA versucht, aus großen Bevölkerungs-datensätzen Rückschlüsse über die soziale Stellung und politische Einstellung von Personen zu ziehen. Hauptfinanzier ist der rechtskonservative Milliardär Robert Mercer, im Aufsichtsrat saß zeitweilig der langjährige Leiter der rechtspopu-listischen „Breitbart News“, Steve Bannon.
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Finanziellen Schaden hat Facebook dank der jüngsten Enthüllungen bereits erlitten, jetzt könnte der politische folgen. Nachdem am Wochenende bekannt wurde, dass die britische Analysefirma Cambridge Analytica (siehe auch Info-Box) unerlaubt Daten von rund 50 Millionen Facebook-Nutzer gesammelt hat, stürzte der Kurs des Sozialnetzwerkes an der Börse um sieben Prozent ab und ließ den Unternehmenswert um über 35 Milliarden Dollar fallen. Zum Wochenstart folgt dann der zweite Schlag. Wie mehrere Medien berichten, wurden sowohl in Großbritannien als auch in den USA Untersuchungen gestartet.

Die britische Datenschutzbehörde will der Frage nachgehen, ob Facebook nach Bekanntwerden des Datenverlusts entschlossen dagegen vorgegangen sei. In den USA fordern zwei Senatoren, dass Facebook-Gründer Zuckerberg sich den Fragen der Justizkommission des Kongresses stellt. Das Thema ist heikel: Cambridge Analytica soll mit Analysen maßgeblich zu Donald Trumps Wahlsieg beigetragen haben. Weil die dafür verwendeten Daten möglicherweise illegal beschafft wurden, steht der Vorwurf der Wahlmanipulation im Raum. Nach einem Bericht des britischen Fernsehsenders Channel 4 sollen sich Manager des Analyse-Unternehmens selbst damit gebrüstet haben, über Manipulation und politische Täuschung in der Lage zu sein, weltweit den Ausgang von Urnengängen beeinflussen zu können.

Sicherheitschef Stamos zieht Konsequenz aus Russland-Affäre

Für weiteren Ärger sorgt der Weggang von Alex Stamos. Der bisherige Sicherheitschef soll aus Ärger über den Umgang mit einer mutmaßlichen russischen Desinformationskampagne während des US-Wahlkampfs gegangen sein. Laut Informationen der New York Times setzte sich Stamos dafür ein, die Vorgänge genau zu untersuchen und die Ergebnisse publik zu machen, wurde aber von anderen Mitgliedern der Konzernspitze ausgebremst.


Angeblich wurde er schon im Dezember von seinen Aufgaben entbunden und soll deshalb den Beschluss gefasst haben, das Unternehmen zu verlassen. Weil man schlechte Presse befürchtete, habe ihn das Management aber davon überzeugt, bis August zu bleiben und auf eine andere Stelle versetzt, so die Times. Stamos bestätigte letzteres indirekt auf seinem Twitter-Account (siehe oben). Facebook wollte offiziell dazu keine Stellungnahme abgeben.

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