home Gesundheit, Politik Corona-Virus: Roche will noch im Mai drei Millionen neue Antikörper-Tests ausliefern

Corona-Virus: Roche will noch im Mai drei Millionen neue Antikörper-Tests ausliefern

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat mit dem Schweizer Pharmakonzern Roche eine Vereinbarung über die Lieferung von drei Millionen Corona-Antikörpertests getroffen. Dies gab der Minister nach einem Besuch des Roche-Standorts im oberbayerischen Penzberg bekannt. Der Test ist erst seit dieser Woche verfügbar und soll Aufschluss über den tatsächlichen Stand der Corona-Infektionen in Deutschland geben. Nach Angaben des Herstellers kann mithilfe des Tests mit fast 100prozentiger Sicherheit nachgewiesen werden, ob jemand mit dem Corona-Virus infiziert war.

Bis zu 1,8 Millionen Corona-Infizierte in Deutschland?

INFO-BOX:
Hoffmann-La Roche
Die Firma F. Hoffmann-La Roche wurde 1896 von Fritz Hoffmann-La Roche in Basel gegründet. Heute ist der Konzern mit rund 65 Milliarden US-Dollar Umsatz das größte Pharmaunternehmen der Welt und beschäftigt weltweit ca. 95.000 Mitarbeiter. Meilensteine in der Unternehmens-geschichte sind das 1898 eingeführte Hustenmittel Sirolin, Valium mit dem Wirkstoff Diazepam (1957) und das erste neu entwickelte AIDS-Medikament Saquinavir im Jahr 1995.
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„Der neue Test ist eine wichtige neue Wegmarke im Kampf gegen das Virus“ sagte Spahn. Die ersten drei Millionen Tests sollen noch diesen Monat ausgeliefert werden. Für die folgenden Monate habe man je fünf Millionen Tests für die Auslieferung nach Deutschland vereinbart. „Antikörpertests helfen uns zu wissen, wer eine Corona-Infektion schon durchgemacht hat“, so Spahn weiter. Damit gewinne man Erkenntnisse über das tatsächliche Ausbruchsgeschehen jenseits der offiziell bekannten Fälle. Sobald gesicherte Erkenntnisse über eine mögliche Immunität nach durchgemachter Infektion vorlägen, würden die Tests eine noch größere Bedeutung gewinnen. In Deutschland könnten sich nach der sogenannten Heinsberg-Studie bereits bis zu 1,8 Millionen Menschen mit dem Corona-Virus infiziert haben. Dies ergebe eine Schätzung auf der Grundlage einer Modellrechnung, teilte die Universität Bonn mit.

Hersteller Roche sieht in dem neuen Test die Chance, Ländern ein Hochfahren der Wirtschaft und eine Wiedereröffnung des gesellschaftlichen Lebens zu ermöglichen, sagte Verwaltungsratspräsident Christoph Franz. Der neue Bluttest habe ein völlig neues Qualitätsniveau mit einer Sensitivität von 100 und einer Spezifität von 99,8 Prozent. Erstere gibt den Prozentsatz der Betroffenen an, bei denen die Infektion tatsächlich erkannt wird. Letztere sagte aus, wie viele Gesunde der Test auch tatsächlich als gesund erkennt. Dies bringe den Menschen „eine unglaublich beruhigende und Sicherheit erzeugende Information“. Gesundheitsminister Spahn sagte, mit der Auslieferung an die Labore stehe der Test grundsätzlich jedem zur Verfügung, aber nicht für jeden übernehme die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten. In welchen Fällen die Krankenkasse zahlt, soll ein Gesetz regeln, das der Bundestag noch in dieser Woche in erster Lesung behandelt.

Notfallgenehmigung der US-Gesundheitsbehörde

Um die Tests in ausreichender Zahl bereitstellen zu können, will Roche die Produktionskapazität der biochemischen Anlagen in Penzberg für 170 Millionen Euro ausbauen, so Verwaltungsratschef Franz. Mit weiteren 250 Millionen Euro werde der Konzern aus Basel in den kommenden vier Jahren in Penzberg ein neues Zentrum für die Erforschung und Entwicklung von diagnostischen Tests aufbauen. Der Freistaat werde sich darin mit 40 Millionen Euro beteiligen, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Zuvor hatte Roche nach eigenen Angaben eine Notfallgenehmigung der US-Gesundheitsbehörde FDA zur Zulassung des Tests erhalten. Diese ist einem Sprecher zufolge in allen Ländern gültig, die die CE-Kennzeichnung für Produkte akzeptieren. Hierzu zählen unter anderem alle Länder der Europäischen Union. Durch die CE-Kennzeichnung bestätigt ein Hersteller, dass sein Produkt allen für dieses Produkt relevanten europäischen Qualitäts- und Sicherheitsrichtlinien entspricht.

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