home Politik Medizinische Hochschule Hannover: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen darf Doktortitel behalten

Medizinische Hochschule Hannover: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen darf Doktortitel behalten

Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) hat soeben bekannt gegeben, dass Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ihren 1991 erworbenen Doktortitel behalten darf. Plagiatsjäger hatten vor über einem halben Jahr zahlreiche Unstimmigkeiten in von der Leyens Dissertation entdeckt und eine Aberkennung des Doktorgrades gefordert. Die Entscheidung für von der Leyen sei mit 7-1 Stimmen gefallen, teilte die Hochschule mit. Zur Begründung hieß es, es habe „kein durch Täuschungsabsicht geleitetes Fehlverhalten“ vorgelegen.

VroniPlag Wiki: 43 Prozent der Arbeit von Plagiaten betroffen

INFO-BOX:
VroniPlag Wiki
VroniPlag Wiki untersucht verschiedene Hochschulschriften (hauptsächlich Dissertationen), die unter Plagiatsverdacht geraten sind. Die Dokumentationen lösten teilweise Überprüfungen durch die zuständigen Fakultäten mit unterschiedlichen Ergebnissen aus. VroniPlag Wiki, das aus dem Umfeld des GuttenPlag Wikis entstand, ist nach Edmund Stoibers Tochter Veronica Saß benannt, deren Dissertation als erste untersucht wurde. Anfang Januar dieses Jahres lag die Zahl der namentlich genannten untersuchten Arbeiten bei 147 Dissertationen und 8 Habilitationsschriften.
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In einer Pressekonferenz teilte MHH-Präsident Christopher Baum mit, es seien nichtsdestotrotz in von der Leyens Arbeit im Wesentlichen in der Einleitung klare Mängel festgestellt worden. Für diese Fehler sei sie zwar verantwortlich, jedoch gehe es hierbei nur um ein Fehlverhalten und keine Täuschungsabsicht. Ursula von der Leyen hatte 1991 im Bereich der Frauenheilkunde promoviert und sich dabei mit dem Thema befasst, ob sich das Infektionsrisiko eines ungeborenen Kindes erhöht, wenn die Gebärende trotz eines vorzeitigen Sprungs der Fruchtblase ein Entspannungsbad nimmt.

Die Plagiatsvorwürfe waren im vergangenen Jahr von der Plattform „VroniPlag Wiki“ erhoben worden, dessen Nutzer u.a. auch schon die Doktorarbeit der ehemaligen Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan, untersucht hatten. Die Plagiatssucher beanstandeten in von der Leyens Dissertation 43 Stellen auf 27 von insgesamt 62 Seiten, was 43 Prozent der Arbeit entspricht. Sechs Seiten bestehen demnach zu mehr als drei Vierteln und fünf Seiten zu mehr als der Hälfte aus Plagiaten. Von der Leyen bestritt die Vorwürfe und bat im August vergangenen Jahres ihre ehemalige Hochschule um eine Überprüfung der Arbeit. Nach einer Vorprüfung durch eine Ombudsperson der MHH hatte die Hochschule im Oktober eine förmliche Untersuchung durch die „Kommission für Gute Wissenschaftliche Praxis“ eingeleitet, die nun ihren Abschlussbericht vorlegte, auf dessen Grundlage der Senat der MHH heute seine Entscheidung fällte.

Kanzlerin Angela Merkel steht hinter von der Leyen

Ursula von der Leyen, die sich aktuell in den USA aufhält, teilte nach Bekanntwerden der Entscheidung in einem Statement mit: „Teile meiner damaligen Arbeit entsprechen nicht den Maßstäben, die ich an mich selber stelle. Ich bin froh, dass die Universität nach eingehender Prüfung zum Schluss gekommen ist, dass meine Experimente für die medizinische Forschung relevant waren und die Arbeit insgesamt die wissenschaftlichen Anforderungen erfüllt.“ Kanzlerin Angela Merkel hatte sich bereits vor der Veröffentlichung der Entscheidung der MHH hinter ihre Verteidigungsministerin gestellt. Auf die Frage, ob von der Leyen auch bei einem Entzug des Doktortitels noch das Vertrauen der Kanzlerin habe, antwortete Regierungssprecher Steffen Seibert: „Selbstverständlich. Die Ministerin ist eine hervorragende Verteidigungsministerin, was man gerade in diesen Tagen wieder beim Zustandekommen der Nato-Aktivitäten in der Ägäis gesehen hat.“

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