home Politik, Technik Nach Druck aus den USA: Großbritannien schließt Huawei vom Ausbau des 5G-Netzes aus

Nach Druck aus den USA: Großbritannien schließt Huawei vom Ausbau des 5G-Netzes aus

Der chinesische Technologiekonzern Huawei soll nun endgültig nicht am Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes in Großbritannien beteiligt werden. Dies teilte der zuständige britische Minister Oliver Dowden am Dienstag im Parlament mit. Der Kauf von Huawei-Komponenten für Netzwerkanbieter im Vereinigten Königreich soll demnach vom Ende dieses Jahres an verboten sein. Bereits verbaute Teile müssten bis 2027 entfernt werden, so Dowden.

Briten hoffen nach Brexit auf lukrativen US-Handelsdeal

INFO-BOX:
Huawei
Huawei wurde 1987 von Ren Zhengfei gegründet und hat seinen Sitz in Shenzhen, einer chinesischen Sonderwirtschaftszone in unmittelbarer Nachbarschaft zur Sonderverwaltungszone Hongkong. Der Konzern hat rund 180.000 Mitarbeiter und erzielte 2017 einen Gewinn von umgerechnet rund 6,2 Milliarden Euro.
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Dowden äußerte sich nach Beratungen der britischen Regierung mit dem Nationalen Sicherheitsrat unter Vorsitz von Premier Boris Johnson. Huawei ist einer der größten Telekommunikationsausrüster der Welt und führend bei der 5G-Technologie. Allerdings fürchten zahlreiche Länder, darunter auch Deutschland, dass Huawei-Technik ein Einfallstor für chinesische Spionage oder Sabotage sein könnte. Großbritannien reagiert mit seiner heutigen Entscheidung auf Druck aus den USA. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump wirft dem chinesischen Konzern eine große Nähe zur chinesischen Regierung sowie Spionage vor. Beweise legte man allerdings bislang nicht vor. Am 30. Juni stufte die US-Aufsichtsbehörde FCC Huawei und den kleineren Konkurrenten ZTE als Gefahr für die nationale Sicherheit ein. Damit müssen die US-Provider die Ausrüstung der beiden Firmen aus ihren Netzen entfernen und ersetzen. Bereits im Mai hatte die Trump-Administration entschieden, dass Unternehmen keine Halbleitertechnik mehr an Huawei liefern dürfen, sofern diese auf Software oder Produkten aus den Vereinigten Staaten beruht.

Die britische Regierung revidiert mit ihrer heutigen Entscheidung einen Beschluss vom Januar dieses Jahres. Ein damals zustande gekommener Kompromiss hatte Huawei zwar als „Hochrisiko“-Anbieter identifiziert und das Unternehmen von sicherheitsrelevanten Kernbereichen der neuen 5G-Technik ausgeschlossen. Erlaubt blieben aber bis zu 35 Prozent Marktanteil am Netzzugang, sowohl bei der Software als auch bei der physischen Infrastruktur wie Mobilfunkmasten. Die Regierung Johnson erhofft sich nach dem Austritt aus der Europäischen Union einen lukrativen Handelsdeal mit den USA. Ein Streit um Huawei hätte die Verhandlungen erheblich belasten können. Doch auch mit China hatten die Briten nach dem Brexit auf ein erhöhtes Handelsvolumen gehofft. Die Beziehungen mit Peking sind allerdings derzeit durch den Streit um das von China eingeführte Sicherheitsgesetz in der ehemaligen britischen Kolonie Hongkong ohnehin erheblich angespannt.

Deutsche Provider wehren sich gegen Ausschluss Huaweis

Der Kurswechsel der britischen Regierung kommt vor allem die drei großen Mobilfunk-Provider des Landes BT, Vodafone und Three teuer zu stehen. Da die vierte (4G/LTE) und fünfte Mobilfunkgeneration technisch aufeinander aufbauen, hätte bereits bestehende 4G-Technik von Huawei vergleichsweise einfach auf 5G umgerüstet werden können. Stattdessen müssen nun bereits vorhandene und voll funktionsfähige LTE-Anlagen der Chinesen abgebaut werden. Dies verursacht zusätzliche Kosten und wird den 5G-Ausbau erheblich verlangsamen. Daher wehren sich auch die deutschen Provider Telekom, Vodafone und Telefónica bisher noch dagegen, Huawei aus dem Kreis der Wettbewerber zu verbannen. Allerdings verwendet kein deutscher Provider Huawei in seinen Kernnetzen. Der chinesische Konzern zeigte sich von der britischen Entscheidung indes am Dienstag enttäuscht. Ein Sprecher erklärte: „Bedauerlicherweise ist unsere Zukunft in Großbritannien zum Politikum geworden. Hier geht es um US-Handelspolitik und nicht um Sicherheit.“ Der Regierungsbeschluss sei eine schlechte Nachricht für „alle Mobiltelefonbesitzer im Königreich“.

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Dennis Hain

Dennis Hain (B. Sc. Inf., B.Sc. CS) ist großer Technik und Games Fan. In seinem Job konnte er sich tiefe Kenntnisse der Software-Entwicklung im medizinischen Umfeld und künstlicher Intelligenz für Vollpreis-Computerspiele aneignen. Privat kann er keinem Spiel aus dem Weg gehen - auf News-Mag.de ist er daher für die Bereiche Technik und Spiele verantwortlich.