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Corona-Krise: US-Notenbank Fed will unbegrenzt Staatsanleihen kaufen

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) bringt neue, umfangreiche Maßnahmen im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der weltweiten Coronavirus-Pandemie auf den Weg. Heute kündigte die Bank unbegrenzte Käufe von Staatsanleihen und bestimmten, mit Hypotheken besicherten Wertpapieren an. Außerdem will sie künftig auch Studien- oder Kreditkartenkredite als Sicherheiten für die Geldvergabe an Geschäftsbanken akzeptieren.

Experten: Fed „am Ende ihrer Mittel angekommen“

INFO-BOX:
Federal Reserve System
Das Federal Reserve System ist das Zentralbank-System der USA. Es besteht aus dem Board of Governors, zwölf regionalen Federal Reserve-Banken, dem Federal Open Market Committee, einer Vielzahl von Mitgliedsbanken und anderen Institutionen. Die Fed berichtet regelmäßig an den Kongress über ihre Aktivitäten und Pläne zur Geldpolitik. Die Fed ist in ihren operativen Entscheidungen frei, der Kongress halt allerdings das Recht, die Gesetze betreffend die Geschäftstätigkeit der Fed zu ändern. Vorstand der Fed ist der aus sieben Mitgliedern bestehende Board of Governors. Diese werden vom US-Präsidenten bestimmt und mit Zustimmung des Senats für 14 Jahre gewählt. Präsident ist seit 2018 der Jurist Jerome Powell.
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Das neue Anleihen-Kaufprogramm im Volumen von mehr als 300 Milliarden Dollar soll „den Kreditfluss an Arbeitgeber, Konsumenten und Unternehmen unterstützen“, so das Institut. Außerdem wolle man in Kürze ein weiteres Kreditprogramm speziell für kleinere und mittlere Unternehmen auf den Weg bringen. In ihrer Mitteilung wies die US-Notenbank zum wiederholten Male darauf hin, dass man alle verfügbaren Instrumente zur Bewältigung der Corona-Krise einsetzen werde. Schon in der vergangenen Woche hatte die Fed drastische Schritte zur Unterstützung von Wirtschaft und Finanzmärkten unternommen. So senkte sie den Leitzins auf null Prozent ab und kündigte an, Staatsanleihen im Wert von einer halben Billion Dollar sowie Hypothekenpapiere mit einem Volumen von 200 Milliarden Dollar zu kaufen. Mit den neuesten Maßnahmen dürfte die Notenbank nun aber aus heutiger Sicht „am Ende ihrer Mittel angekommen sein“, sagte Uwe Burkert, Chef-Volkswirt der Landesbank Baden-Württemberg. Mehr als der unlimitierte Ankauf von Anleihen gehe faktisch nicht.

Andere Markt-Experten wiesen darauf hin, dass die Notenbank den wirtschaftlichen Schaden, der durch die Corona-Krise entstehe, nicht ungeschehen machen könne. „Die staatlichen Hilfen und die Unterstützung der Notenbanken lindern zwar den Schmerz, aber heilen die wirtschaftliche Wunde kurzfristig nicht“, so Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank. Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner hält noch weitere Schritte der Fed für möglich. So könne die Bank beispielsweise den US-Kongress um eine Ausweitung ihres Mandats ersuchen. So könnte sie Staatsanleihen oder Aktien nicht nur am freien Markt, sondern direkt vom Staat kaufen. Beides ist ihr aktuell untersagt.

Parallel dazu arbeitet der Kongress an einem riesigen Hilfsprogramm mit einem Umfang von womöglich mehr als zwei Billionen US-Dollar. Über das Maßnahmenpaket gab es aber zuletzt im Senat noch Streit zwischen den Republikaner von Präsident Donald Trump und den oppositionellen Demokraten. Eine am Sonntag angesetzte Verfahrensabstimmung scheiterte deshalb. Am heutigen Montag muss das Gesetzespakte daher einen neuen Anlauf im Parlament nehmen.

DAX sackte zum Handelsstart rund fünf Prozent ab

Die Bösen eröffneten am Montag teilweise deutlich im Minus. Der Dow-Jones-Index erholte sich nach der Bekanntgabe der Fed zwar etwas, blieb jedoch mit rund zwei Prozent im roten Bereich. Auch der deutsche Aktienindex DAX befand sich zum Handelsstart in Frankfurt im Sinkflug. Er sackte um fast fünf Prozent auf rund 8.500 Punkte in den Keller. Die angekündigten Fed-Maßnahmen begrenzten im Anschluss allerdings die Verluste. Kurz vor Handelsschluss lag der DAX mit rund 8.850 Punkten nur noch rund ein Prozent unter dem Schlusskurs vom Freitag.