home Technik, Wirtschaft Kampf um 5G-Netzausbau: Nokia-Chef Rajeev Suri muss seinen Hut nehmen

Kampf um 5G-Netzausbau: Nokia-Chef Rajeev Suri muss seinen Hut nehmen

Bild: wikimedia.org / Raysonho

Der Netzwerk-Ausrüster Nokia wechselt mitten im Kampf um entscheidende Aufträge zum 5G-Ausbau den Chef aus. Zum 1. September dieses Jahres soll Pekka Lundmark den Vorstandsvorsitz von Rajeev Suri übernehmen, teilte das finnische Unternehmen am Montag mit. Lundmark ist derzeit Chef der Energiefirma Fortum Oyj, war früher jedoch bereits unter anderem für die Strategie in der Netzwerksparte von Nokia verantwortlich.

Nokia vor zwei Jahren mit herbem Verlust

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Die fünfte Generation des Mobilfunks („5G“) soll auf dem bestehenden Mobilfunkstandard LTE („Long Term Evolution“) aufbauen und Datenraten von bis zu 10 GBit/s ermöglichen. Dank Echtzeitübertragung sollen weltweit bis zu 100 Milliarden Mobilfunkgeräte gleichzeitig ansprechbar sein. Südkorea, die Schweiz und einzelne Städte in den USA haben 5G bereits in Betrieb genommen. In Deutschland fand 2019 eine Versteigerung der entsprechenden Lizenzen statt. Die Deutsche Telekom will bis 2025 mindestens 90 Prozent der Fläche Deutschlands mit 5G versorgen.
„Mit der Übernahme von Alcatel-Lucent hinter uns und der 5G-Welt vor uns freue ich mich, dass Pekka zugestimmt hat, sich Nokia anzuschließen“, sagte Risto Siilasmaa, Vorstandsvorsitzender des Verwaltungsrates von Nokia. Lundmark habe bewiesen, dass er den Unternehmenswert erhöhen könne und biete „strategische Klarheit und eine hohe finanzielle Performance“. Nokia hatte sein einst weltweit dominierendes Handy-Geschäft sowie den Kartendienst Here verkauft, um sich komplett auf die Ausrüstung von Telekommunikationsnetzen zu konzentrieren. Dafür übernahmen die Finnen nicht nur das Geschäft ihres langjährigen Partners Siemens, sondern holten sich auch den Konkurrenten Alcatel-Lucent ins Boot. Suri übernahm vor rund zehn Jahren die Leitung der Netzwerk-Sparte und stieg 2014 zum Nokia-Chef auf.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg hatte der 52-Jährige jedoch zunehmend Probleme, Nokia eine starke Position auf dem 5G-Markt zu verschaffen. Trotz des Komplettausschlusses des chinesischen Konkurrenten Huawei vom lukrativen US-Markt sei es Nokia nicht gelungen, dort erfolgreich Fuß zu fassen. Nun wolle er nach 25 Jahren bei Nokia „etwas anderes machen“. „Ich verlasse das Unternehmen mit der Überzeugung, dass eine Rückkehr zu einer besseren Leistung in Sicht ist“, wird Suri zitiert. Der Manager habe den Aufsichtsrat bereits vor einiger Zeit über seine Rückzugspläne informiert und gemeinsam mit diesem einen Nachfolger gesucht. Das Netzwerkausrüster-Geschäft ist hart umkämpft. Die Schwergewichte Nokia und Ericsson spüren seit langem den Preisdruck der chinesischen Konkurrenz von Huawei und ZTE. Im vergangenen Jahr konnten die Finnen immerhin einen kleinen Gewinn in Höhe von sieben Millionen Euro verbuchen. 2018 musste man noch 340 Millionen Euro Verlust vermelden. Erst im kommenden Jahr rechnet das Unternehmen wieder mit steigenden Gewinnen.

Huawei-Ausschluss: USA machen Druck auf Verbündete

Ein wichtiger Faktor für Nokias Zukunft könnte die Rolle Huaweis beim Ausbau der 5G-Netze in Europa werden. Der 5G-Datenfunk mit hohen Geschwindigkeiten und kurzen Reaktionszeiten gilt als Standard für die Zukunft – besonders für die Industrie. Vor allem die USA warnen jedoch vor einer Gefahr durch Spionage und Sabotage mithilfe von Huawei-Technik und machen Druck auf Verbündete, den chinesischen Konzern ebenfalls vom Netzausbau auszuschließen. Huawei hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Zuletzt zeichnete sich in der EU der Kurs ab, „risikobehaftete Anbieter“ aus dem Kern der Netze herauszuhalten, aber in Randbereichen der Infrastruktur zuzulassen. Da Telekom-Firmen traditionell mindestens zwei Lieferanten haben wollen, könnte dies Nokia helfen, sich neben Ericsson einen festen Platz beim Aufbau und Betrieb der 5G-Netze zu sichern.