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Hartes Sanierungsprogramm: Audi will 9.500 Stellen in Deutschland streichen

Bild: audi-mediacenter.com / AUDI AG

Der Ingolstädter Autobauer Audi will sich mit einem massiven Stellenabbau sowie weiteren Sparmaßnahmen aus der Krise befreien. Wie das Unternehmen heute bekanntgab, will die VW-Tochter bis 2025 an deutschen Standorten 9.500 Stellen abbauen. Im Gegenzug sollen bis zu 2.000 Jobs in Zukunftsbereichen wie der Elektromobilität und Digitalisierung neu entstehen. Unter dem Strich beläuft sich die Zahl der wegfallenden Arbeitsplätze damit auf 7.500. Darauf hätten sich die Unternehmensführung und der Betriebsrat in einem „Zukunftspakt“ geeinigt, um eine Sanierung des Konzerns zu ermöglichen.

Verringerung der Kapazität in beiden deutschen Audi-Werken

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Die Audi Automobilwerke GmbH Zwickau wurde am 16. Juli 1909 gegründet. Nachdem Unternehmens-gründer August Horch seine "A. Horch & Cie. Motorwagenwerke Zwickau" im Streit verlassen hatte, verlor er die Namensrechte an „Horch“. So entstand Audi (lat. „Horch!“). 1928 übernahmen die Zschopauer Motorenwerke J. S. Rasmussen (DKW) die Audiwerke AG Zwickau, beide Unternehmen gingen 1932 in der Auto Union AG Chemnitz auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1949 die Auto Union GmbH in Ingolstadt neu gegründet. Erst 1965 fand die Marke Audi wieder Verwendung. Nach der Fusion mit den NSU Motorenwerken 1969 zur Audi NSU Auto Union AG wurde der Name Audi nach 37 Jahren zum ersten Mal als prägender Bestandteil in den Firmennamen aufgenommen, der nach dem Auslaufen der Marke NSU 1985 auf Audi AG verkürzt wurde.
Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben, der Stellenabbau sozialverträglich verlaufen. Zudem verlängerte Audi die Beschäftigungsgarantie für die verbleibenden Mitarbeiter bis 2029. Für die rund 61.000 Mitarbeiter in den beiden deutschen Werken Ingolstadt und Neckarsulm galt bisher eine Beschäftigungsgarantie bis 2025. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Peter Mosch lobte die getroffene Vereinbarung als wichtigen Meilenstein für die Zukunft des Unternehmens und betonte: „Die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft sind sicher!“ Durch die Maßnahmen erhofft sich der Autobauer Einsparungen von insgesamt sechs Milliarden Euro bis 2029. Firmenchef Bram Schot darf nun die Sanierung beginnen, allerdings steht seine Ablösung durch den früheren BMW-Vorstand Markus Duesmann im April kommenden Jahres bereits fest. Dieser soll Audi wieder profitabler machen, enger mit Volkswagen und Porsche zusammenarbeiten und bis 2025 zudem 30 E-Modelle auf den Markt bringen. Auch die bisherigen Audi-Vorstände für Finanzen, Einkauf und Personal, Alexander Seitz, Bernd Martens und Wendelin Göbel müssen ihre Hüte nehmen.

Im Audi-Werk Neckarsulm werden vor allem die Modelle A4 bis A8 und R8 gebaut. Wegen der Krise um Verbrennungsmotoren leidet das Werk aber bereits seit einiger Zeit an einer Unterauslastung. Dieses Jahr werde das dritte in Folge mit weniger als 200.000 gebauten Autos sein, sagte der Neckarsulmer Betriebsratschef Rolf Klotz kürzlich. Die eigentliche Kapazität des Werks liegt bei 300.000 Autos jährlich. Sie soll nun nach unten angepasst werden und nur noch bei 225.000 liegen. Gleichzeitig will Audi massiv in das Werk investieren, um dort auch Elektrofahrzeuge herstellen zu können. Schon jetzt ist geplant, dass ab kommendem Jahr der vollelektrische Audi e-tron GT in Neckarsulm vom Band laufen wird. In dem Werk sind rund 17.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Auch im Stammwerk Ingolstadt soll die Produktion von bisher 500.000 auf nur noch 450.000 Fahrzeuge pro Jahr reduziert werden. Im vergangenen Jahr rollten dort 491.000 Autos vom Band. Verringern sich die Stückzahlen, steigen gleichzeitig die Produktionskosten. Audi ist seit der Aufdeckung des Dieselskandals deutlich hinter die Mitbewerber Daimler und BMW zurückgefallen. Der Skandal kostete das Unternehmen bisher sechs Milliarden Euro. In sieben Jahren hatte Audi zudem sechs Entwicklungschefs, die Autos verkaufen sich trotzdem nur schleppend. Erst Ende Oktober hatte man die Absatzprognose für das laufende Jahr senken müssen.

Konzernmutter Volkswagen hat Umbruch bereits eingeläutet

Audi-Konzernmutter Volkswagen hat einen ähnlichen Umbruch bereits vollzogen. Dort beschlossen Management und Betriebsrat bereits im Herbst 2016, über die kommenden Jahre bis zu 30.000 Stellen wegfallen zu lassen, davon 23.000 in Deutschland und viele in der Verwaltung. Gleichzeitig sollen Tausende neuer Jobs in Zukunftsbereichen wie Vernetzung und mobilen Dienstleistungen entstehen. Vorausgegangen war auch dieser Vereinbarung ein langjähriger Kampf zwischen Konzernspitze und Mitarbeitervertretung, namentlich zwischen Betriebsratschef Bernd Osterloh und dem damaligen Marken- und heutigen Konzernchef Herbert Diess.