home Gesundheit Exotische Viren: Nach West-Nil-Virus nun auch Zika erstmals in Europa nachgewiesen

Exotische Viren: Nach West-Nil-Virus nun auch Zika erstmals in Europa nachgewiesen

Bild: pixabay.com / CreativesolutionisT

In Europa breiten sich zunehmend exotische Erreger aus. Wie französische Behörden bekanntgaben, sind dort zwei durch Mücken in Europa übertragene Zika-Virus-Infektionen aufgetreten. Bei weiteren Klinikpatienten in Deutschland soll zudem das durch heimische Mücken übertragene West-Nil-Virus übertragen worden sein. Betroffen sind dabei zwei Frauen aus Berlin und Wittenberg in Sachsen-Anhalt, die im Spätsommer erkrankt seien, so Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Im Umkreis eines ersten Infizierten aus dem Raum Leipzig gebe es zudem weitere Verdachtsfälle, darunter auch bei jüngeren Patienten.

Schwere Verläufe meist bei älteren Menschen mit Vorerkrankungen

INFO-BOX:
West-Nil-Virus
mehr dazu
Das West-Nil-Virus wurde zum ersten Mal 1937 in Uganda isoliert. Es infiziert hauptsächlich Vögel, kann aber auch auf Menschen, Pferde und andere Säugetiere übergreifen. Ins öffentliche Interesse rückte das Virus 1999 mit dem ersten Auftreten in Nordamerika, wo es sich seitdem massiv ausbreitete. Mittlerweile gilt als erwiesen, dass das Virus von einer in einem israelischen Flugzeug auf der Strecke Tel Aviv-New York transportierten, infizierten Mücke eingeschleppt wurde.
Ende September hatten das BNITM sowie weitere Institute bekanntgegeben, dass das West-Nil-Virus erstmals in Deutschland durch Mücken auf einen Menschen übertragen wurde. Der 70-Jährige aus dem Leipziger Umland war Mitte August an einer schweren Gehirnentzündung erkrankt. Mittlerweile ist er genesen. Die Vielzahl der Krankheitsverläufe sei erschreckend, so Schmidt-Chanasit. Allerdings sei dies „nur die Spitze des Eisbergs“. Nur etwa ein Prozent aller Infektionen führten zu solch schweren neuroinvasiven Erkrankungen. Demnach sei von Hunderten weiteren Infektionen mit leichterem Verlauf auszugehen, die die Ärzte nicht als solche diagnostizierten. Das West-Nil-Virus betreffe somit offenbar schon weit mehr Menschen in Deutschland als bisher angenommen, sagte der Virologe.

Zuvor hatte man den Erreger in Deutschland, abgesehen von einem Fall, bei dem sich ein Tierarzt in Bayern bei der Untersuchung eines Vogels infiziert hatte, nur in seltenen Fällen bei Urlaubern nachweisen können. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) verläuft eine West-Nil-Infektion in rund 80 Prozent ohne konkrete Symptome, in weiteren etwa 20 Prozent gibt es nur milde, unspezifische Symptome wie Hautausschlag oder Fieber. Schwere oder gar tödliche Verläufe betreffen nur unter einem Prozent aller Infizierten. Dies sind meist ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Erste Nachweise des West-Nil-Virus gab es schon vor Jahrzehnten, größere Erkrankungswellen werden aber erst seit einigen Jahren registriert. So erfasste die europäische Gesundheitsbehörde ECDC 2018 vor allem in Ländern wie Italien, Griechenland, Rumänien, Ungarn und Kroatien rund 2.000 Infektionen, bei denen etwa 180 Menschen starben.

Zika-Übertragung durch Tiger- und Gelbfiebermücken

Im Gegensatz zum West-Nil-Virus kann Zika nur von exotischen Mücken übertragen werden. Dazu gehören die Asiatische Tigermücke und als Hauptüberträger die Gelbfiebermücke. Gerade Tigermücken haben sich inzwischen weit nach Norden ausgebreitet, so finden sie sich besonders in Italien, aber auch in Griechenland, Frankreich und Teilen Deutschlands sind sie bereits aufgetreten. Die jetzt betroffenen beiden Personen aus dem südfranzösischen Département Var hatten im August typische Beschwerden entwickelt, obwohl weder sie noch ihre Sexualpartner in Zika-Gebiete gereist waren. Tests bestätigten die Infektionen. Auch hier waren es wohl nicht die ersten Fälle. Wie beim West-Nil-Virus gibt es auch bei Zika meist keine Symptome und die Infektion bleibt dadurch unerkannt, so Schmidt-Chanasit.