home Gesundheit Trotz höherer Zusatzbeiträge: Krankenkassen verzeichnen 2015 Milliardendefizit

Trotz höherer Zusatzbeiträge: Krankenkassen verzeichnen 2015 Milliardendefizit

2015 war für die gesetzlichen Krankenkassen kein gutes Jahr. Wie aus der vorläufigen Bilanz des Bundesgesundheitsministeriums hervorgeht, haben die Versicherer im vergangenen Jahr über eine Milliarde Euro Minus gemacht. Grund sind zuvor gewährte Entlastungen für die Versicherten.

Rücklagen im Gesundheitsfonds

INFO-BOX:
Zusatzbeitrag
Der einkommensabhängige Zusatzbeitrag wurde in Deutschland zum 1. Januar 2015 in der gesetzlichen Krankenversicherung eingeführt. Krankenkassen haben damit ein zusätzliches Mittel, finanzielle Engpässe auszugleichen. Den Zusatzbeitrag müssen die Krankenkassenmitglieder alleine tragen. Das heißt, auch Beitragssteigerungen in der Zukunft bezahlen die Mitglieder allein.
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Das Defizit ist nach Einschätzung des Bundesgesundheitsministeriums vor allem auf gesunkene Zusatzbeiträge zurückzuführen. Demnach sind den Kassen auf diesem Weg gut 900 Millionen Euro Einnahmen entgangen. Insgesamt beläuft sich das Finanzloch auf 1,14 Milliarden Euro, nachdem 213,56 Milliarden für Gesundheitsleistungen ausgegeben, aber nur 212,42 Milliarden Euro eingenommen wurden. Die Folgen sind für die Versicherten bereits spürbar. Um nicht auch im dritten Jahr in Folge in die roten Zahlen zu rutschen, haben zwei von drei gesetzlichen Versicherungen die Zusatzbeiträge angehoben. Im Schnitt waren diese Anfang 2016 von 0,9 auf 1,1 Prozent gestiegen.

In finanzielle Schieflage geraten die Krankenkassen dank eines ausreichenden Finanzpolsters dennoch nicht. Dieses zählte zum Jahreswechsel 24,5 Milliarden Euro, zu denen auch die Reserven aus dem Gesundheitsfonds in Höhe von zehn Milliarden Euro gehören. Das Geld aus dem Fonds steht jedoch nicht frei zur Verfügung, sondern wird nach festen Kriterien verteilt. Gleichzeitig sind die Kassen gesetzlich dazu verpflichtet, Rücklagen zu bilden, sodass die Anhebung der Beiträge trotz der Ersparnisse für viele Versicherer nötig geworden war.

Weitere Kostensteigerungen erwartet

Nach Expertenmeinung wird die Betragssteigerung zum Jahresanfang nicht die letzte gewesen sein. Bis 2020 könnten jährlich 0,2 bis 0,3 Prozent höhere Zusatzzahlungen nötig werden. Gründe dafür sind Reformen im Gesundheitswesen, steigende Kosten für Behandlungen und die älter werdende Gesellschaft. Allein 2015 stiegen die Ausgaben der Kassen je Versicherten um 3,7 Prozent.

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