home Gesundheit, Politik WHO-Untersuchung in Wuhan: Coronavirus stammt wohl von Fledermäusen

WHO-Untersuchung in Wuhan: Coronavirus stammt wohl von Fledermäusen

Das Expertenteam der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat während seines vierwöchigen Aufenthalts in China nicht klären können, wie das Coronavirus auf den Menschen übergesprungen ist. Dies teilten die WHO-Experten und ihre ebenfalls an der Untersuchung beteiligten chinesischen Kollegen auf einer Pressekonferenz in Wuhan mit. Allerdings bekräftigten ihre Ergebnisse die Annahme, dass das Virus von Fledermäusen ausging.

Coronavirus benötigte Zwischenwirt

INFO-BOX:
Weltgesundheits-organisation (WHO)
Die Weltgesundheits-organisation (WHO) ist die Koordinationsbehörde der Vereinten Nationen für das internationale öffentliche Gesundheitswesen. Sie wurde am 7. April 1948 gegründet und zählt heute 194 Mitgliedsstaaten. Die WHO hat ihren Sitz in Genf und mehr als 7.000 Mitarbeiter. Die Mitgliedschaft steht allen Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen offen. Andere Länder können mit einfacher Mehrheit von der Weltgesundheitsversammlung als Mitglieder aufgenommen werden.
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Der „wahrscheinlichste Weg“ der Übertragung auf den Menschen sei von Fledermäusen ausgehend über ein anderes Tier als Zwischenwirt, sagte der Chef des Teams, Peter Ben Embarek. Ein Laborunfall sei nach Einschätzung der Experten hingegen „extrem unwahrscheinlich“. Ob das Virus auch über Tiefkühlprodukte weiterverbreitet worden sein könnte, müsse man noch genauer untersuchen. Die Untersuchungen hätten ihr Bild vom Ausbruch der Pandemie nicht dramatisch verändert, so Embarek weiter. Aber nun gebe es ein besseres Verständnis von den Anfängen. Wuhan sei keine Stadt, in der es große Fledermauspopulationen gebe. Daher sei es unwahrscheinlich, dass SARS-CoV-2 direkt auf den Menschen übergesprungen ist. Welches Tier als Zwischenwirt diente, ist bislang aber noch unklar. In Wuhan waren im Dezember 2019 erstmals Infektionen mit dem Virus nachgewiesen worden. Der Erreger kursierte wahrscheinlich aber schon zuvor. Das WHO-Expertenteam hatte sich nun schwerpunktmäßig mit dem Wildtiermarkt in der Stadt beschäftigt.

Der Leiter des chinesischen Wissenschaftlerteams, Liang Wannian, erklärte, dass sich das Virus vor dem offiziell dokumentierten Ausbruch Ende 2019 nicht wesentlich verbreitet habe. Zudem seien nicht alle Erstfälle in Wuhan auf Besuche des Marktes zurückzuführen. „Mit dem Wildtiermarkt ließen sich mit die ersten Coronafälle in Wuhan in Verbindung bringen, aber eben nicht alle Fälle und auch nicht der erste Fall in der Stadt“. Auf dem Markt in Wuhan seien vor allem gefrorene Waren verkauft worden, zu einem großen Teil Meerestiere, aber auch ungefrorene Wildtiere. Die zehn internationalen WHO-Experten waren am 14. Januar in Wuhan eingetroffen. Dort mussten sie zunächst eine zweiwöchige Quarantäne antreten. In dieser bereiteten sie ihre Visite vor und konferierten intensiv mit ihren chinesischen Kollegen. Nach der Quarantäne besuchten sie in der Stadt mehrere Krankenhäuser, Institute, Labore und auch den Huanan-Markt, wo erste erfasste Infektionen aufgetreten waren.

China versucht falsche Fährten zu legen

Die WHO-Ermittlungen konnten erst nach langem Tauziehen mit der chinesischen Seite beginnen. Die Suche nach der Herkunft des Erregers gilt als politisch heikel. China befürchtet, als Schuldiger für die Pandemie angeprangert werden zu können. Chinesische Staatsmedien und Sprecher der kommunistischen Führung hatten daher in den vergangenen Monaten auch immer wieder auf vermeintliche Spuren eines früheren Ausbruchs in den USA, Italien oder anderen Teilen der Welt hingewiesen. Wissenschaftlich haltbar ist bisher keine dieser Spuren. Wie politisch aufgeladen die Mission war, zeigten Ende Januar auch Äußerungen der neuen US-Regierung. Die Sprecherin von US-Präsident Joe Biden, Jen Psaki, äußerte „große Sorge“ über eine mögliche „Falschinformation“ durch „einige Quellen in China“ und forderte eine „belastbare Untersuchung“. Auch WHO-Missionsleiter Embarek betonte, die Suche nach dem Ursprung der COVID-19-Pandemie stünde noch ganz am Anfang.