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Dreiste Werbelügen: Goldener Windbeutel 2019 für Bio-Kindertomatensauce von Zwergenwiese

Bild: © foodwatch/picture alliance/Udo Fischer

Bereits zum neunten Mal hatte die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch in diesem Jahr zur Kür des „Goldenen Windbeutel“ aufgerufen. Zur Wahl standen in diesem Jahr der Joghurt-Drink „Yakult Original“ von Yakult, der Bio Karotten-Direktsaft von Hipp, die Wasabi Erdnüsse der Rewe Eigenmarke „Beste Wahl“, die Kinder-Tomatensauce Bio von Zwergenwiese sowie Corny Protein Lower Carb von Schwartau.

Bio-Tomatensauce für Kinder erweist sich als Zuckerbombe

Knapp 70.000 Verbraucherinnen und Verbraucher beteiligten sich in diesem Jahr an der Wahl und kürten die Kinder-Tomatensauce Bio von Zwergenwiese mit mehr als 53 Prozent der abgegebenen Stimmen zur „dreistesten Werbelüge des Jahres“. Die für Kinder beworbene Tomatensauce enthält nach Angaben von Foodwatch mehr als doppelt so viel Zucker wie der Version für Erwachsene. Laut den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sollten nur (Tomaten-) Saucen ohne Zuckerzusatz an Kinder beworben werden. Schon bei der Nominierung Anfang November hatte sich der Hersteller, der inzwischen zu Rapunzel Naturkost gehört, mit dem Argument verteidigt, dass der zugesetzte Zucker kein Kristallzucker sei. Vielmehr stamme dieser aus acht Prozent zugesetztem Apfeldicksaft. Zudem enthielten die im Produkt eingesetzten Tomaten, Möhren und Zwiebeln von Natur aus Zucker, den man nicht mit industriellem Zucker vergleichen könne. Die WHO allerdings definiert Apfeldicksaft ebenfalls als freien bzw. zugesetzten Zucker.

Ergebnis der Wahl zum „Goldenen Windbeutel 2019“
© foodwatch.org / Foodwatch
INFO-BOX:
Goldener Windbeutel
2009: Actimel von Danone
2010: Monte Drink von Zott
2011: Milch-Schnitte von Ferrero
2012: Instant-Tees von Hipp
2013: Capri-Sonne von Wild/Deutsche SiSi-Werke
2014: Alete Trinkmahlzeiten ab dem 10. Monat
2017: Alete Kinderkeks
2018: Glacéau Smartwater von Coca-Cola
„Dass ausgerechnet ein Biopionier das Vertrauen der Eltern ausnutzt und sich mit hanebüchenen Argumenten aus der Affäre ziehen will, finden wir nicht akzeptabel“, sagte Manuel Wiemann von Foodwatch. „Eltern kaufen Bio-Produkte, um ihren Kindern etwas Gutes zu tun – aber Zwergenwiese jubelt Kindern eine Extra-Portion Zucker unter“. Auf Platz Zwei bei der Abstimmung landete „Yakult Original“ mit 26,1 Prozent der Stimmen. Aus Sicht von Foodwatch ist das Joghurt-Getränk vor allem eines: dreiste Abzocke für 8,40 Euro pro Liter. Effekte auf die Darmgesundheit der im Getränk enthaltenen 6,5 Milliarden Shirota-Milchsäurebakterien seien nicht wissenschaftlich belegt. Außerdem steckten in einer Mini-Flasche fast neun Gramm Zucker.

Platz Drei ging mit 7,4 Prozent an den Bio Direktsaft Karotte von Hipp. Der Hersteller hat die Flasche von 500 auf 330 Milliliter verkleinert. Der Preis hat sich dadurch bei nahezu identischer Rezeptur um 95 Prozent auf 4,50 Euro pro Liter erhöht. Als erster Hersteller überhaupt akzeptierte Zwergenwiese den Negativpreis und kündigte eine Rezepturänderung für seine zuckrige Kinder-Tomatensauce an. Zudem kämen alle Kinderlebensmittel im Sortiment „auf den Prüfstand“, so das Bio-Unternehmen.

Verbraucher können Schummelprodukte melden

Im vergangen Jahr hatten die Verbraucher das „Glacéau Smartwater“ von Coca-Cola zur „dreistesten Werbelüge des Jahres“ gekürt. Das laut Coca-Cola in einem besonderen Herstellungsverfahren mittels Dampfdestillation gewonnene Wasser sei laut Foodwatch nichts anderes als „schnödes Wasser“ auf Basis eines „hanebüchenen Herstellungsverfahrens“ – und zudem mit 1,65 Euro pro Liter auch noch besonders teuer. Wer sich durch Luftverpackungen, vermeintliche „natürliche“ Lebensmittel voller künstlicher Zusatzstoffe, Zuckerbomben oder versteckte Preiserhöhungen hinters Licht geführt fühlt, kann dies auf der Foodwatch-Beschwerdeplattform „schummelmelder.de“ jederzeit der Verbraucherschutzorganisation mitteilen.