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Gesellschaft für deutsche Sprache kürt „Corona-Pandemie“ zum Wort des Jahres 2020

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat den Begriff „Corona-Pandemie“ zum Wort des Jahres 2020 gekürt. Sprachlich stehe der Begriff für eine Vielzahl neuer Wortbildungen, begründete die Jury ihre Entscheidung in Wiesbaden. Auf den zweiten Platz schaffte es der „Lockdown“ vor dem Begriff „Verschwörungserzählung“.

Acht von zehn Wörtern mit Bezug zur Pandemie

Info-Box
Wörter des Jahres
2006: Fanmeile
2007: Klimakatastrophe
2008: Finanzkrise
2009: Abwrackprämie
2010: Wutbürger
2011: Stresstest
2012: Rettungsroutine
2013: GroKo
2014: Lichtgrenze
2015: Flüchtlinge
2016: postfaktisch
2017: Jamaika-Aus
2018: Heißzeit
2019: Respektrente
2020: Corona-Pandemie
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Zur Begründung sagte die GfdS am Montag, der Ausdruck „Pandemie“ benenne „das beherrschende Thema nahezu des gesamten Jahres“. Insgesamt acht der zehn Wörter des Jahres haben einen direkten Bezug zur Pandemie. Einzig „Black Lives Matter“ auf Platz Vier und „Gendersternchen“ auf dem vorletzten Platz der Rangliste, scheren aus dieser Reihe aus. Bei der Aktion wählt eine Jury regelmäßig zehn Wörter aus, die das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben eines Jahres in besonderer Weise bestimmt haben. Die Wörter stammen aus einer Sammlung von mehreren Tausend Belegen aus verschiedenen Medien und Einsendungen von Außenstehenden. In den beiden vergangenen Jahren hießen die Sieger „Respektrente“ und „Heißzeit“.

Hinsichtlich des „Corona“-Begriffs habe sich in den Köpfen der Menschen eine neue Zeitrechnung etabliert: vor und nach Corona. Eine Internet-Recherche in diesem Monat habe allein für die Redewendung „in Zeiten von Corona“ neun Millionen Belege erbracht. Diese unterstreiche nochmals die Bedeutung des Begriffs. Besonderes Augenmerk legte die Jury auch auf die Verwendung des Wortes im alltäglichen Sprachgebrauch. Aus der ursprünglichen Bezeichnung „Strahlenkranz der Sonne“ habe sich ein eigenes Kurzwort entwickelt, das je nach Verwendung verschiedene Bedeutungen übermitteln kann. Der sprachlichen Kreativität habe das Virus jedenfalls nichts anhaben können. Als Beispiele für Wortneuschöpfungen nennen die GfdS etwa „langvirig“, „Corontäne“ oder „Covidioten“ für Corona-Leugner.

Unwort des Jahres folgt am 12. Januar

Das Wort des Jahres kürt die GfdS seit 1971 („aufmüpfig“), seit 1977 („Szene“) findet die Wahl regelmäßig statt. Dabei ist nach ihren Angaben nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks für die Auswahl entscheidend, sondern die Signifikanz und Popularität eines Wortes. Die ausgewählten Wörter sind demnach mit keiner Wertung oder Empfehlung verbunden. Nach dem Wort des Jahres folgt am 12. Januar dann auch das „Unwort des Jahres“. Dabei werden Wörter gerügt, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder der Demokratie verstoßen, gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistische, verschleiernde oder irreführende Formulierungen sind. Auch hier sei die Corona-Pandemie in diesem Jahr der Schwerpunkt, so die GfdS. Vorschläge seien bisher etwa Begriffe wie „Alarmismus“, „Corona-Diktatur“, „Wirrologen“ oder die bereits genannten „Covidioten“. Die meisten Vorschläge seien bislang aber mit 88 Nennungen für „systemrelevant“ in Zusammenhang mit empfundener mangelnder Wertschätzung bei Begrenzungen des Lockdowns eingegangen, sagte eine Sprecherin der Jury.