home Sport UEFA erwägt Reform: Deutschland könnte in der Nations League erstklassig bleiben

UEFA erwägt Reform: Deutschland könnte in der Nations League erstklassig bleiben

Bild: wikimedia.org / Александр Вепрёв / Lizenz: CC BY-SA 4.0

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss in der Nations League womöglich doch nicht aus der höchsten Spielklasse absteigen. Wie die „Deutsche Presse-Agentur“ berichtet, berät das UEFA-Exekutivkomitee bei seiner Sitzung am morgigen Dienstag im slowenischen Ljubljana über eine Reform des erst 2018 gestarteten Wettbewerbs. Demnach soll die A-Liga für die anstehende Runde im Herbst kommenden Jahres von bisher zwölf auf 16 Mannschaften aufgestockt werden.

Aufstockung wäre sportlich ein Gewinn

INFO-BOX:
UEFA Nations League
mehr dazu
Nachdem sich mehrere EUFA-Mitgliedsverbände über den sinkenden Stellenwert von Freundschaftsspielen beklagt hatten, begannen 2011 die ersten Planungen für ein neues Nationenturnier. 2014 beschloss die UEFA in Astana einstimmig u.a. die Einführung der Nations League, an der alle 55 Mitgliedsverbände teilnehmen. Die in der Nations League erzielten Leistungen haben Einfluss auf die Setzlisten bei großen Qualifikations-turnieren für Welt- und Europameisterschaften. Zudem eröffnet die Nations League einen zweiten, unabhängigen Qualifikationspfad für große Turniere.
Trotz sportlichen Scheiterns würden dann die Nationalteams aus Deutschland, Polen, Kroatien und Island nicht in die zweitklassige B-Liga absteigen müssen. Die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw hatte in ihrer Gruppe hinter den Niederlanden und Frankreich sieglos den letzten Platz belegt. Hinzu kämen 2020 die vier Aufsteiger aus der B-Liga: Ukraine, Schweden, Bosnien-Herzegowina und Dänemark. Als Sieger der ersten Auflage des Turniers ist Portugal gesetzt, des Weiteren sind die Final-Teilnehmer Niederlande, Schweiz und England sowie die Gruppenzweiten Frankreich, Belgien, Italien und Spanien dabei. Für Löw wäre der Klassenerhalt am grünen Tisch ein sportlicher Gewinn, da in der B-Liga schwächere Teams wie Österreich, Norwegen oder Finnland auf die Nationalmannschaft warten würden.

„Das ist mit Sicherheit kein Weltuntergang, aber es ist schon frustrierend“, hatte DFB-Direktor Oliver Bierhoff nach dem Aus in der Nations League im vergangenen November gesagt. Bundestrainer Löw bezeichnete den Abstieg aus der A-Liga als „bitter“. Fünf Monate nach dem blamablen WM-K.O. hatte die Nationalelf damals den nächsten herben sportlichen Rückschlag einstecken müssen. Im Gegensatz zu Deutschland, wo man die Nations League vielfach kritisch sieht, ist der Wettbewerb für viele andere Fußball-Nationen sportlich wie ökonomisch ein Gewinn. Diesem positiven Feedback wolle man nun mit der Reform und mehr Spielen in der A-Liga Rechnung tragen, hieß es aus Kreisen der UEFA. Ausgelost wird die zweite Auflage der Nations League im März kommenden Jahres in Amsterdam. Bei 16 Mannschaften in der A-Liga bliebe dann angesichts von sechs Pflichtspielen jedes Erstligisten kein Platz mehr für Tests. Im Frühjahr 2021 startet bereits die Qualifikation für die Winter-WM 2022 in Katar.

Kein Deutscher mehr in der UEFA-Exekutive

Nach dem Rücktritt des früheren DFB-Präsidenten Reinhard Grindel wird in Ljubljana kein Deutscher mehr am Entscheidertisch sitzen. Polen und Kroatien sind als weitere Nutznießer der möglichen Reform jedoch mit den ehemaligen Weltklassespielern Zbigniew Boniek und Davor Suker in der UEFA-Exekutive vertreten. Offen ist noch, ob die nächste Auflage der Nations League auch Einfluss auf die Auslosung der WM-Qualifikationsgruppen haben wird. Dann wäre eine Teilnahme an der A-Liga Voraussetzung für die Einteilung in den besten Lostopf. Die UEFA erwägt dieses Prozedere, der Weltverband FIFA beharrt allerdings auf seiner Weltrangliste als einzigem Kriterium für die Topf-Einteilung.