home Sport US-Ankläger: Russland und Katar haben Fußball-Weltmeisterschaften gekauft

US-Ankläger: Russland und Katar haben Fußball-Weltmeisterschaften gekauft

Was Insider seit vielen Jahren vermuteten, scheint sich nun zu bewahrheiten. Russland und Katar sollen nach Angaben von US-Strafverfolgungsbehörden die Fußball-Weltmeisterschaften 2018 bzw. 2022 gekauft haben. Eine erweiterte Anklageschrift zum FIFA-Prozess deckt ein perfides System von Korruption und Abhängigkeiten auf. Zahlreiche zwielichtige Funktionäre des Weltverbandes haben sich demnach bei der Doppelvergabe der beiden Weltmeisterschaften im Jahr 2010 mit Millionenbeträgen bestechen lassen.

Drei südamerikanische Funktionäre ließen sich schmieren

Nach jahrelangen Ermittlungen skizziert des 70-seitige Dokument, aus dem die New Yorker Staatsanwaltschaft nun erstmals Details nannte, wie einigen Mitgliedern des FIFA-Exekutivkomitees Bestechungsgelder angeboten und diese auch angenommen wurden. Demnach haben drei südamerikanische Funktionäre Geld für ihre Stimme an Katar erhalten: Der argentinische Funktionär Julio Grondona (verstorben 2014), der inzwischen ebenfalls verstorbene damalige Chef des südamerikanischen Kontinentalverbands, Nicolás Leoz sowie der Ex-Fußballchef Brasiliens, Ricardo Texeira. Letzterer wurde bereits wegen anderer Delikte von der FIFA lebenslang gesperrt. Über Summen, die die ehemaligen Spitzenfunktionäre des südamerikanischen Kontinentalverbands CONMEBOL einstrichen, schweigt sich das Dokument allerdings aus. „Bei Korruption kommt es immer darauf an, dass eine Zahlung mit einer Handlung in Verbindung gebracht wird. Da sind wir noch keinen Schritt weiter“, sagte die Anti-Korruptionsexpertin Sylvia Schenk zu den Vorwürfen rund um den Katar-Zuschlag. „Es fehlt an wesentlichen Fakten: Wer hat wie viel gezahlt und wie war die Verknüpfung.“

Auch Medienvertreter in Bestechung verwickelt

INFO-BOX:
Fußball-WM
2022-2030
Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar soll vom 21. November bis 18. Dezember 2022 ausgetragen werden. Die Weltmeisterschaft 2026 findet in Kanada, Mexiko und den USA statt. Für die WM 2030 haben bisher mehrere Ländergruppen ein Interesse an der Austragung bekundet. Zum einen sind dies Argentinien, Chile, Paraguay und Uruguay, zum anderen Griechenland, Bulgarien, Rumänien und Serbien.
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Auch rund um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2018 an Russland gibt es erneut schwere Vorwürfe. Laut Anklage soll der mittlerweile ebenfalls lebenslang gesperrte Jack Warner (Trinidad und Tobago) für seine Stimme pro Russland über ein Geflecht von Scheinfirmen fünf Millionen US-Dollar eingesteckt haben. Warner gilt als eine der Schlüsselfiguren im FIFA-Skandal, der 2015 zum Sturz des ehemaligen Weltverbandspräsidenten Joseph S. Blatter führte. Rafael Salguero aus Guatemala, ebenfalls Exekutiv-Mitglied bei der WM-Doppelvergabe, hatte bereits eingeräumt, für seine Stimme eine Million Dollar kassiert zu haben. Ein Kreml-Sprecher wies die Vorwürfe umgehend „kategorisch zurück“. Auch der ehemalige Chef des russischen WM-Organisationskomitees, Alexej Sorokin, betonte, dass man keine Funktionäre gekauft habe. „Das ist nur eine Meinung von Juristen“, so Sorokin mit Blick auf die Anklageschrift. Russland habe ganz legal „die beste Fußball-WM der Geschichte“ abgeliefert.

Die Anklageschrift wirft abschließend auch ein sehr schlechtes Licht auf die Medienbranche. So hätten auch zwei ehemalige Spitzenkräfte des US-Giganten 21st Century Fox, der später im Disney-Konzern aufging, Funktionäre bestochen. Dabei soll es sich um Hernan Lopez, den früheren Geschäftsführer der Sparte International Channels, sowie den ehemaligen Lateinamerika-Chef Carlos Martinez handeln. Diese bestreiten die Vorwürfe ebenfalls als „Fiktion“.

Neuvergabe der Katar-WM unrealistisch

Die Anklage wird neuen Schwung in den FIFA-Prozess bringen. Im Nachgang des Skandals von 2015 wurden in den USA viele frühere Funktionäre angeklagt. Zwei Jahre später kam es zum Prozess, einige Funktionäre erhielten Strafen. Danach wurde es vergleichsweise ruhig. Keine Stellungnahmen gab es auch heute aus Katar, das jegliche Bestechung im Zusammenhang mit der WM-Vergabe stets bestritten hat. Bei der Wahl 2010 in Zürich hatte sich Katar in der vierten Runde mit 14:8 Stimmen gegen die USA durchgesetzt – die seitdem hinsichtlich Bestechungsvorwürfen nicht lockerlassen. „Die Anklage dokumentiert den anhaltenden Willen der Behörden, Korruption in den höchsten Etagen des Fußballs lahmzulegen“, sagte der New Yorker Staatsanwalt Richard P. Donoghue.

Mit einer Neuvergabe der Weltmeisterschaft rechnet man übrigens nicht – auch nicht Anti-Korruptionsexpertin Schenk. „Aufgrund der finanziellen Folgen und der zu erwartenden Dauer des Verfahrens würde jedes Gericht der Welt zur Entscheidung kommen, dass dies nicht rückabgewickelt wird.“ Es könne aber durchaus zu Entschädigungsansprüchen der unterlegenen Bewerber kommen, falls diese klagen sollten.