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Amazon Prime Air: Online-Händler kauft erstmals eigene Flugzeuge

Der Online-Händler Amazon hat eigene Flugzeuge erworben und reagiert damit auf die in Corona-Zeiten stark gestiegenen Online-Bestellungen seiner Kunden. Der US-Konzern kaufte elf Maschinen vom Typ Boeing 767-300. Sieben Maschinen stammen von der Airline Delta, vier von WestJet, wie das Unternehmen jetzt mitteilte. Die Flugzeuge sollen nun zu Frachtmaschinen umgebaut werden und nach und nach in die Flotte von Amazon übergehen.

Externe Fluggesellschaften betreiben Amazon-Flotte

INFO-BOX:
Boeing 767-300
Die Boeing 767-300 ist eine gestreckte Version der Boeing 767-200 und wird als Langstreckenflugzeug eingesetzt. Die Reichweite beträgt bis zu 9.700 Kilometer. Ihren Erstflug absolvierte eine Boeing 767-300 am 30. Januar 1986. Die letzte Passagiermaschine dieses Typs wurde 2014 ausgeliefert, als Frachtflugzeug wird die Boeing 767-300 bis heute produziert.
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Bereits vor fünf Jahren startete der Online-Händler seine eigene Frachtfluglinie namens Amazon Prime Air. Anfangs bestand sie nur aus zehn Maschinen, inzwischen ist die Flotte auf mehr als 80 Flugzeuge angewachsen, die regelmäßig für Amazon abheben. In den USA verbindet Amazon Air bereits mehr als zwei Dutzend Großstädte. Bislang hatte das Unternehmen bei seinen Maschinen auf geleaste Flugzeuge gesetzt. Einen Mix aus eigenen und gemieteten Flugzeugen in der „wachsenden Flotte“ zu habe, helfe dabei, die Geschäfte zu verbessern und den Kundenwünschen zu entsprechen, sagte die Vizechefin der Abteilung Amazon Global Air, Sarah Rhoads. Man schlägt so zwei Fliegen mit einer Klappe. Einerseits kann Amazon auf die stetig steigende Bestellnachfrage reagieren, andererseits generieren kriselnde Fluggesellschaften angesichts des stark eingeschränkten Flugverkehrs in Zeiten der Corona-Pandemie auf diese Weise frisches Geld. Auch die Lufthansa hatte im Zuge der Pandemie aus Kostengründen alle Großraumjets vom Typ Airbus A380 ausgemustert.

Bis 2022 sollen die Maschinen nun in die Amazon-Flotte integriert werden. Erst im Juni vergangenen Jahres hatte der Konzern bekannt gegeben, zwölf Flugzeuge der gleichen Baureihe zu leasen. Elf davon werden in diesem Jahr ausgeliefert. Selbst betreiben wird Amazon seine Flotte an Frachtflugzeugen aber auch weiterhin nicht. Dies übernehmen wie bisher externe Fluggesellschaften. Nach Angaben des Fachportals arliners.de fliegen aktuell ASL, Sun Country Airlines, Air Transport International, Atlas Air und Southern Air für Amazon. Bisher konzentrierte sich das Prime Air-Frachtnetzwerk auf die USA. Inzwischen expandiert man mit der Abteilung aber auch nach Europa. Ein erstes eigenes Luftfracht-Zentrum ist am Flughafen Halle-Leipzig in Betrieb gegangen. Mit mehr ist zu rechnen, da der Betrieb eigener Transportmaschinen nach einer Studie der KfW um rund ein Drittel günstiger sein soll, als die Vergabe von Aufträgen an externe Logistiker. Bis Ende kommenden Jahres soll die Amazon Prime Air-Flotte 85 Maschinen umfassen.

Online-Händler sollen Paketabgabe zahlen

In den USA ist Amazon inzwischen der viertgrößte Transportkonzern hinter DHL, UPS und Federal Express. Jedes zweite Pakete stellt der Online-Riese in den USA inzwischen selbst zu. In Europa, insbesondere in Deutschland, soll die Zustellquote von eigenen Paketen ebenfalls langfristig auf 50 Prozent steigen. Allerdings geht das Bundeskartellamt hierzulande derzeit Vorwürfen nach, wonach Amazon andere Händler auf seinem Marktplatz wegen angeblich überhöhter Preise sperren ließ. Zuletzt hatten zudem Mitglieder der Unionsfraktion im Bundestag gefordert, Online-Händler an den Kosten der Kommunen durch eine Paketabgabe zu beteiligen.