home Politik, Wirtschaft Milliarden-Staatshilfe: Staat kann bei Reisekonzern TUI einsteigen

Milliarden-Staatshilfe: Staat kann bei Reisekonzern TUI einsteigen

Die EU-Wettbewerbshüter haben deutsche Staatshilfen bis zu 1,25 Milliarden Euro für den schwer von der Corona-Krise getroffenen Reisekonzern TUI genehmigt. Dies teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit. Ebenfalls heute sollen die TUI-Aktionäre im Rahmen einer außerordentlichen Hauptversammlung eine Kapitalerhöhung und finanzielle Hilfen für den angeschlagenen Reisekonzern genehmigen.

Russischer Investor stockt Beteiligung auf

INFO-BOX:
TUI
Die TUI Deutschland GmbH hat ihren Sitz in Hannover und ist der Deutschlands führender Reiseveranstalter. Die Wurzeln des Unternehmens liegen im Jahr 1928, als Hubert Tigges mit seiner Frau die Tigges-Fahrten in Wuppertal gründete. Am 1. Dezember 1968 gründeten die vier mittelständischen Veranstalter Touropa, Scharnow-Reisen, Hummel Reisen und Dr. Tigges-Fahrten die Touristik Union International (TUI). Zu TUI gehören heute unter anderem 1-2-FLY, L’TUR, Gebeco sowie Berge & Meer.
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Die deutsche Staatshilfe sei „erforderlich, geeignet und angemessen“, um eine „beträchtliche Störung des Wirtschaftslebens eines Mitgliedsstaates“ zu beheben, sagte die zuständige EU-Kommissionsvizepräsidentin Margrethe Vestager. Der Staat werde „für das von den Steuerzahlern getragene Risiko eine hinreichende Vergütung erhalten und die Unterstützung mit Auflagen verbinden, um mögliche Wettbewerbsverzerrungen zu begrenzen“.

Im Einzelnen geht es um eine stille Beteiligung an TUI in Höhe von 420 Millionen Euro, die der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) nach einem entsprechenden Beschluss der Aktionäre in direkte Anteilsscheine umwandeln darf. Zudem umfasst das Paket eine ebenfalls wandelbare Anleihe im Wert von 150 Millionen Euro. Für diese waren bereits im Spätsommer vergangenen Jahres die wesentlichen Bedingungen geklärt worden. Hinzu kommt nun noch eine zweite, nicht wandelbare stille Beteiligung von bis zu 680 Millionen Euro. Deren genaue Ausschöpfung ist unter anderem davon abhängig, ob sich das Land Niedersachsen am TUI-Hauptsitz Hannover bereit erklärt, eine Summe von bis zu 400 Millionen Euro mit einer eigenen Garantie abzusichern.

An dem TUI-Rettungspaket sind zudem auch private Investoren beteiligt. So darf beispielsweise der russische Großaktionär Alexej Mordaschow seine Beteiligung von bisher 24,9 auf 36 Prozent aufstocken. Die Finanzaufsicht BaFin befreite ihn von einem Pflichtangebot an die übrigen TUI-Aktionäre. Dieses wäre normalerweise bei einem Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle fällig geworden. Die Befreiung hatte Mordaschow zur Bedingung gemacht, um bei der anstehenden Kapitalerhöhung neue TUI-Aktien im Wert von bis zu 266 Millionen Euro zu zeichnen. Die BaFin hatte die Ausnahme nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters damit begründet, dass die Stabilisierung des Unternehmens Vorrang vor dem Interesse der übrigen Aktionäre an einem Kaufangebot habe. Auch Vestager begrüßte das Engagement privater Investoren: „Dies macht weniger staatliche Beihilfen erforderlich und trägt zur Erholung von TUI bei“.

Insgesamt 4,8 Milliarden Euro Corona-Hilfen für TUI

Im Frühjahr 2020 war TUI das erste deutsche Großunternehmen, dem der Bund finanziell unter die Arme griff. Insgesamt bekam der Konzern einschließlich privater Mittel im Rahmen dreier Hilfspakete inzwischen 4,8 Milliarden Euro an Unterstützung zugesprochen. Damit will TUI die Umsatzeinbrüche in der Corona-Pandemie auffangen. Die Tourismusbranche ist neben Luftverkehr und Gastronomie besonders stark vom Nachfragerückgang in der Corona-Krise betroffen. Allein im Geschäftsjahr 2019/20 (bis Ende September) erwirtschaftete TUI einen Verlust von 3,1 Milliarden Euro. Zwischenzeitlich betrugen die Umsatzeinbußen bis zu 98,5 Prozent. Vorstandschef Fritz Joussen hoffte in einem Statement auf eine Normalisierung des Geschäfts bis zum Sommer. Besonders stark traf es in der Reisebranche auch die Lufthansa. Diese musste mit neun Milliarden Euro Staatshilfe aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Belgien vor der Pleite bewahrt werden.