home Gesundheit, Politik Nach BioNTech/Pfizer: CureVac und Bayer vereinbaren Impfstoff-Partnerschaft

Nach BioNTech/Pfizer: CureVac und Bayer vereinbaren Impfstoff-Partnerschaft

Das Tübinger Biotech-Unternehmen CureVac und der Bayer-Konzern haben eine Impfstoff-Partnerschaft geschlossen. „Im Rahmen dieser Vereinbarung wird Bayer bei der weiteren Entwicklung und Bereitstellung des Covid-19-Impfstoffkandidaten CVnCoV von CureVac sowie bei lokalen Aktivitäten in ausgewählten Ländern unterstützen“, teilte Bayer mit. Nach dem Mainzer Unternehmen BioNTech und Pfizer tun sich mit Bayer und CureVac nun also zwei weitere Firmen zu einer Impfstoff-Allianz gegen das Corona-Virus zusammen.

Bayer könnte CureVac-Impfstoff auch produzieren

INFO-BOX:
CureVac
CureVac wurde im Jahr 2000 an der Universität Tübingen aus den Arbeitskreisen von Hans-Georg Rammensee und Günther Jung gegründet. Das Unternehmen hat sich auf die Erforschung und die Entwicklung von Arzneimitteln auf der Grundlage des Botenmoleküls messenger RNA (mRNA) spezialisiert. 2003 zog das Unternehmen mit 18 Mitarbeitern ins Biotechnologiezentrum Tübingen um. Im selben Jahr wurde weltweit zum ersten Mal ein Krebspatient mit mRNA behandelt. Heute hat CureVac rund 500 Mitarbeiter und weist einen jährlichen Umsatz von mehr als 17 Milliarden Euro aus.
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„Der Bedarf an Impfstoffen gegen Covid-19 ist enorm“, sagte Bayer-Vorstandsmitglied Stefan Oelrich. CureVac-Chef Franz-Werner Haas ergänzte: „Mit seiner Expertise und Infrastruktur kann uns Bayer helfen, unseren Impfstoffkandidaten CVnCoV noch schneller für möglichst viele Menschen verfügbar zu machen“. CureVac arbeitet bereits seit längerem an der Entwicklung eines Impfstoffes, dessen Marktzulassung aber noch nicht absehbar ist. Bayer soll CureVac nun bei den aufwendigen Arbeiten für die Zulassung und die dafür nötige Studie unterstützen sowie die Lieferketten im Blick haben. Ein Bayer-Sprecher nannte die Kooperation eine „Servicevereinbarung“. Dass Bayer auch die Produktion des Impfstoffes übernimmt, ist im Vertrag hingegen nicht enthalten, allerdings wohl im Gespräch. Die Herstellung soll in einem amerikanischen Bayer-Werk erfolgen. Möglicherweise werde Bayer auch die Marktzulassung in anderen Märkten außerhalb Europas übernehmen. Sobald die Arzneimittelbehörden das Vakzin zugelassen haben, plane man die Produktion von mehreren Hundert Millionen Impfstoffdosen.

Für das ebenso wie das BioNTech/Pfizer und das Moderna-Vakzin auf der mRNA-Technologie basierende CVnCoV begann Mitte Dezember die zulassungsrelevante klinische Phase III-Studie. Mit ersten Ergebnissen rechnet das Tübinger Unternehmen zum Ende des ersten Quartals 2021. Für den Fall einer Zulassung hat sich die EU-Kommission für die EU-Staaten bereits 405 Millionen Dosen gesichert. Für die Bundesregierung ist die Kooperation von CureVac und Bayer ein weiteres Standbein, um bis zum Sommer eine Impfung aller Bundesbürger zu ermöglichen, die dazu bereit sind. Schon im Juni vergangenen Jahres hatte sich der Bund für 300 Millionen Euro knapp 23 Prozent der CureVac-Unternehmensanteile gesichert.

Der jetzigen Kooperation war einem Bericht des Nachrichtenportals „ThePioneer“ zufolge zudem ein Gespräch von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Gesundheitsminister Jens Spahn, Wirtschaftsminister Peter Altmaier, Kanzleramtschef Helge Braun und Vizekanzler Olaf Scholz am Mittwoch vorausgegangen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) begrüßte die Zusammenarbeit. Auf Twitter schrieb er: „Ein weiterer Lichtblick am Horizont. Gut, dass wir starke Pharmaunternehmen im Land haben“.

SPD kritisiert schleppenden Impfstart

Aus Sicht der SPD ist der bisherige Impfstart zu schleppend verlaufen. Bundesvize Kevin Kühnert kritisierte die bisherige Impfstoffbeschaffung. „Es ist doch so: Wenn ich die Nadel im Heuhaufen nicht finden kann, sie aber dringend brauche, dann kaufe ich doch erstmal zur Sicherheit den Heuhaufen, und zwar komplett“, so Kühnert gegenüber der „Rheinischen Post“. Er spielte dabei darauf an, dass lange nicht klar war, welche Impfstoff-Entwicklungen letztlich erfolgreich sein würden. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wehrte sich gegen die Kritik. „Es ist am Anfang jetzt knapp. Das war klar, und das ist auch so“. Auch der neu zugelassene Moderna-Impfstoff werden in den ersten Wochen knapp sein, sagte Spahn im ZDF. Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer verteidigte die vielfach kritisierte Entscheidung für eine europäisch abgestimmte Impfstoff-Beschaffung. Der Kampf gegen Corona sei „immer nur so gut, wie wir es europäisch hinbekommen“, sagte die Politikerin der Deutschen Presse-Agentur.