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Birkenstock geht an französischen Milliardär Bernard Arnault

Es ist das Ende einer Ära. Nach fast 250 Jahren wird der deutsche Schuhhersteller Birkenstock verkauft. Neue Eigner sind die französisch-amerikanische Beteiligungsgesellschaft L Catterton sowie der Milliardär Bernard Arnault (u.a. Louis Vuitton, Christian Dior). Sie übernehmen eine Mehrheit an dem für seine Gesundheitssandalen bekannten Traditionsunternehmen aus Linz am Rhein (Rheinland-Pfalz). Über Details habe man Stillschweigen vereinbart, teilte das Unternehmen mit. Die Zustimmung der Aufsichtsbehörden steht noch aus. Insidern zufolge wird Birkenstock mit rund vier Milliarden Euro bewertet.

Keine Verlagerung der Produktion nach Asien

INFO-BOX:
Birkenstock
Die Geschichte der „Schuhmacherdynastie“ Birkenstock lässt sich ab 1774 mit der Erwähnung des Schuhmachermeisters Johann Adam Birkenstock im hessischen Ort Langen-Bergheim nachweisen. 1896 eröffnete Konrad Birkenstock zwei Schuhfachgeschäfte in Frankfurt am Main. Er erfand um 1930 das „Blaue Fußbett“, das sich den Bewegungen und der Fußform des Trägers anpasst. 1964 kam unter seinem Enkel Carl Birkenstock das erste Modell der „Birkenstock-sandale“ auf den Markt.
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Die beiden einzigen Erben des Schuhherstellers, Alexander und Christian Birkenstock, bleiben Minderheitsgesellschafter. „Für die nächsten 250 Jahre brauchen wir Partner mit der gleichen strategischen und langfristigen Vision wie die der Familie Birkenstock. In L Catterton und Financière Agache haben wir diesen Partner gefunden“, erklärten sie in einer Mitteilung des Unternehmens. Man bekomme „durch die neuen Miteigentümer exzellente Marktzugänge und Kontakte in Asien“ und könne seinen „Wachstumskurs beschleunigt fortsetzen“, sagte Birkenstock-Geschäftsführer Oliver Reichert gegenüber dem „Handelsblatt“.

Alle Arbeitsplätze blieben erhalten. „Wir sind in Deutschland fest verankert und daran wird sich auch nichts ändern“. Eine Verlagerung der Produktion nach Asien soll es somit nicht geben. Die neuen Eigner hätten sowohl „tiefes Verständnis für die Details eines Produktionsunternehmens“, bei dem sich alles um Qualität drehe, als auch den Respekt vor Marken mit einem langen Erbe. Birkenstock wurde im Jahr 1774 gegründet und war seitdem dauerhaft und vollständig in Familienbesitz.

L-Catterton war 2016 aus der Partnerschaft des US-Investors Catterton mit dem Luxusgüterkonzern LVMH und dessen Gründer Bernard Arnault entstanden. LVMH hatte im Oktober vergangenen Jahres den US-Juwelier Tiffany übernommen. Birkenstock habe sich „zu einer der wenigen ikonischen Marken in der Schuhindustrie entwickelt“, so Arnault. Gemeinsam solle das Unternehmen nun dabei unterstützt werden, sein großes Wachstumspotenzial „voll auszuschöpfen“. Birkenstock-Sandalen fanden in den vergangenen Jahrzehnten zunächst hauptsächlich im Gesundheitssektor Verwendung. Anschließend entdeckte sie die Hippie-Bewegung für sich. Inzwischen sind sie zum einem angesagten Lifestyle-Produkt avanciert.

Birkenstock trotzt der Corona-Pandemie

Birkenstock produziert nahezu ausschließlich in Deutschland und generierte 2019 einen Umsatz von rund 720 Millionen Euro mit einem Nettogewinn von 130 Millionen Euro. Trotz der Corona-Pandemie gehe es dem Unternehmen nach eigenen Angaben so gut wie nie in seiner Geschichte. So habe man zuletzt ein weiteres Rekordjahr verbucht und eine umfassende Investitionsoffensive gestartet. So will man die Kapazitäten am weltweit größten Fertigungsstandort Görlitz weiter ausbauen und die übrigen Produktionsstandorte in Deutschland stärken. Birkenstock beschäftigt rund 4.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 95 Prozent in Deutschland.