home Politik, Wirtschaft Hoffmann-Nachfolge: Yasmin Fahimi zu neuer DGB-Vorsitzenden gewählt

Hoffmann-Nachfolge: Yasmin Fahimi zu neuer DGB-Vorsitzenden gewählt

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die SPD-Bundestagsabgeordnete Yasmin Fahimi zu seiner neuen Vorsitzenden gewählt. Die 54-Jährige erhielt beim DGB-Bundeskongress 358 von 398 Delegiertenstimmen. Das sind 93,2 Prozent. Damit steht erstmals in der Geschichte des DGB eine Frau an der Spitze des Gewerkschaftsbundes. Fahimi folgt auf Reiner Hoffmann, der nach zwei Amtsperioden aus Altersgründen nicht mehr angetreten war.

Kampf gegen Diskriminierung von Frauen

Bei ihrer Vorstellung auf dem Kongress warb die gebürtige Hannoveranerin mit ihrer Biografie. Als Tochter einer alleinerziehenden Mutter sei sie auf manche Widerstände gestoßen, sagte Fahimi. Unter ihrer Führung werde der DGB daher unter anderem verstärkt gegen die Diskriminierung von Frauen in der Arbeitswelt kämpfen. „Wir wollen Lebensverhältnisse, die Glück und Perspektiven schaffen“. Dazu zähle auch bezahlbarer Wohnraum sowie insgesamt eine Gemeinwohlorientierung, die „nicht alles dem Markt überlässt“.

Fahimis Lebensgefährte bei Kandidatensuche gescheitert

INFO-BOX:
DGB-Vorsitzende
seit 1949
1949-1951: Hans Böckler
1951-1952: Christian Fette
1952-1956: Walter Freitag
1956-1962: Willi Richter
1962-1969: L. Rosenberg
1969-1982: H. O. Vetter
1982-1990: Ernst Breit
1990-1994: H.-W. Meyer
1994-2002: Dieter Schulte
2002-2014: M. Sommer
2014-2022: R. Hoffmann
seit 2022: Yasmin Fahimi
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Die Diplom-Chemikerin hatte verschiedene Stationen bei der Industriegewerkschaft (IG) Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) absolviert. Sie war SPD-Generalsekretärin, Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium und wurde 2017 per Direktmandat Bundestagsabgeordnete. In ihrer Partei zählt sie zum linken Flügel. Ihr Mandat wolle sie nach der Wahl zur DGB-Vorsitzenden niederlegen, hatte Fahimi in einem Brief an SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich angekündigt. Damit will sie klare Kante zeigen. Der DGB habe Forderungen und Erwartungen, die substanzieller an die gesellschaftliche Ordnung rangehen, so Fahimi. „Wir wollen mehr Mitbestimmung im wirtschaftlichen Geschehen dieses Landes. Und das sicherlich auch noch Reibungen geben“.

Der bisherige DFB-Chef Reiner Hoffmann hatte den Gewerkschaftsbund sechs Jahre lang angeführt. Seine Nachfolgerin beschrieb er als „außerordentlich erfahrene, in den Belangen der Arbeitswelt sehr versierte und gut vernetzte Expertin“. Die Nominierung Fahimis vonseiten des DGB-Vorstands hatte im Januar Verwunderung ausgelöst. Turnusmäßig wäre ein Mitglied der IG Metall an der Reihe gewesen. Diese hatte aber augenscheinlich keine passende Frau, die für den Posten infrage gekommen wäre. Als Dienstältester unter den Vorsitzenden der Einzelgewerkschaften hatte sich schließlich Michael Vassiliadis, Fahimis Lebensgefährte, selbst ins Spiel gebracht. Er scheiterte jedoch am Widerstand der zweitgrößten Einzelgewerkschaft Verdi.

Gewerkschaften stehen für Frieden und Freiheit

Die neue DGB-Vorsitzende will eine starke Stimme für Frauen sein. Teilzeit, Minijobs, Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen – bei all diesen Themen habe man enormen Nachholbedarf. Zukünftig wird sie sich noch mehr mit dem ökologischen und digitalen Wandel der Wirtschaft befassen müssen. „Transformation heißt für mich eine Veränderung der Gesellschaft, in der wirklich jeder einen Vorteil für sich erlebt“. Wenn dies nicht gelinge, drohe nicht nur eine Spaltung auf dem Arbeitsmarkt, sondern in der gesamten Gesellschaft. Geprägt habe sie dabei immer der Gedanke, „dass man selbst mit Fleiß und Mut etwas macht, aber dass man auch andere braucht, um seine Rechte durchzusetzen“.

Vor dem Hintergrund des russischen Krieges in der Ukraine wandte sich die 54-Jährige gegen „alle Despoten“ und Diktatoren. Mit Blick auf Russland Präsident Wladimir Putin sagte sie: „Das werden wir alle Putin nie verzeihen“. Und auch die Verbrechen des belarussischen Diktators Alexander Lukaschenko gehörten „vor dem internationalen Gerichtshof angeklagt“. Man sei „kampfbereit überall dort, wo wir Unrecht sehen“. Die Gewerkschaften stünden als Wertegemeinschaft für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit.