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Staat steigt aus: Lufthansa wieder vollständig in Privatbesitz

Nach rund zwei Jahren ist der Bund bei der Fluggesellschaft Lufthansa wieder ausgestiegen. Und dies mit einem stattlichen Gewinn. Der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) habe die restlichen 74,4 Millionen Lufthansa-Aktien am Dienstagabend für insgesamt 455 Millionen Euro bei internationalen Investoren platziert, teilte die Finanzagentur des Bundes am Mittwoch mit. Der WSF hatte die Lufthansa in der Corona-Krise 2020 mit stillen Einlagen und einer Aktienbeteiligung von 20 Prozent vor der Pleite gerettet. Die Rettungsaktion wurde so unter dem Strich mit 760 Millionen Euro Gewinn für den Bund beendet.

Lufthansa zahlte schon 2021 alle Finanzhilfen zurück

INFO-BOX:
Deutsche Lufthansa AG
Die heutige Deutsche Lufthansa AG wurde im Jahr 1953 gegründet. Den Flugbetrieb nahm das Unternehmen am 1. April 1955 auf. Bis 1963 war die Deutsche Lufthansa AG zu fast 100 Prozent in Staatsbesitz. Seit 1997 ist das Unternehmen vollständig privatisiert.
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Die Fluggesellschaft hatte vor zwei Jahren mit der Bundesregierung und der EU-Kommission ein insgesamt neun Milliarden Euro schweres staatliches Rettungspaket ausgehandelt. Drei Millionen flossen damals als Darlehen der staatlichen Förderbank KfW an die Lufthansa, sechs Milliarden kamen aus dem WSF. Davon erhielt der Konzern 5,7 Milliarden Euro als stille Einlagen und rund 300 Millionen Euro, mit denen der WSF seine Aktienbeteiligung an dem Unternehmen aufbaute. Lufthansa nahm davon nach eigenen Angaben 3,8 Milliarden Euro in Anspruch. Schon im November vergangenen Jahres zahlte das Unternehmen alle Finanzhilfen zurück und kündigte nicht abgerufene Mittel.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr bedankte sich nach dem Ende der staatlichen Beteiligung erneut bei Bundesregierung und Steuerzahlern für ihre Unterstützung in der schwersten Krise der Firma. „Die Stabilisierung (…) zahlt sich auch finanziell für die Bundesregierung und damit für den Steuerzahler aus. Früher als erwartet hatten wir die Stabilisierungsmittel bereits zurückgezahlt, und ein Jahr vor Ablauf der Frist hat nun auch der WSF die letzten verbliebenen Aktien verkauft“, erklärte Spohr. Lufthansa sei nun wieder vollständig in privater Hand. Man werde weiter hart dafür arbeiten, ihre Position unter den führenden Airline-Gruppen der Welt zu stärken.

Milliardär Kühne stockt Aktienanteil auf

Für die Fluggesellschaft enden mit dem Ausstieg des Bundes auch alle noch verbliebenen Auflagen, wie das Unternehmen betonte. Bedingung der Rettung durch den Staat in der Corona-Krise war etwa, dass die Airline auf Dividendenzahlungen verzichten musste und es Beschränkungen bei der Managervergütung gab. Bereits Ende Juli hatte der Bund seinen Anteil auf weniger als zehn Prozent reduziert. Damit war der Hamburger Logistikunternehmer und Milliardär Klaus-Michael Kühne mit 15,01 Prozent zum größten Lufthansa-Aktionär aufgestiegen. Nun habe seine Kühne Holding AG ihren Gesamtanteil an dem MDax-Konzern auf rund 17,5 Prozent aufgestockt, wie eine Sprecherin mitteilte. „Dies unterstreicht die positive Sicht der Kühne Holding auf das Unternehmen“. Man habe das Verkaufsverfahren des WSF gerne aktiv unterstützt. Kühnes Reederei Hapag-Lloyd macht derzeit Rekordgewinne.

Nicht äußern wollte sich die Holding zu der Frage, ob Kühne einen Sitz im Aufsichtsrat besetzen werde. Dem „Handelsblatt“ zufolge ist geplant, dass ein Vertrauter Kühnes nun einen Sitz im Lufthansa-Aufsichtsrat erhalten soll. Vorgesehen sei Kühnes Vertrauter Karl Gernandt. Spätestens zur Hauptversammlung im Frühjahr 2023 solle dafür ein Sitz in dem Gremium freigemacht werden. Im Zuge der nun beendeten Staatsbeteiligung hatte Lufthansa die Hamburger Hafen-Chefin Angela Titzrath und den früheren Chef des Münchner Flughafens, Michael Kerkloh, als Aufsichtsräte berufen. Diese sollten die Interessen des WSF berücksichtigen. Beide sind laut Unternehmen ordentlich bestellt und müssen nun nicht automatisch zurücktreten.